Memento Mori

Memento Mori von Muriel Spark
Memento Mori von Muriel Spark

„Denken Sie daran, daß Sie sterben müssen“, sagt eine Stimme am Telefon und erschreckt damit Lettie Colston, die jüngere Schwester von Godfrey Colston. Der ist siebenundachtzig Jahre alt, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und zum Geiz neigend. Seine Frau Charmian, die früher eine erfolgreiche Romanautorin war, leidet hingegen unter Gedächtnisschwund. Doch obwohl sie ihre Haushälterin, die gutmütige Mrs. Anthony, mit Taylor anredet – so hieß ihre frühere Bedienstete – und auch sonst ziemlich durcheinander ist, antwortet sie dem Warner am Telefon überraschend schlagfertig mit einer tiefen Einsicht: „In mancher Beziehung läßt mein Gedächtnis mich ja im Stich, aber irgendwie kann ich meinen Tod nicht vergessen, wann immer das auch sein wird.“ Godfrey beobachtet die Senilität der anderen und kommentiert diese mit Sarkasmus. Außerdem gehört noch Mrs. Pettigrew zu den Colstons, die allerdings keineswegs uneigennützig deren Haushalt führt, sondern das Erbe im Visier hat. Irgendwann erreicht der anonyme Anrufer mit der Todesmahnung auch Godfrey, dem diese Warnung sichtlich zu schaffen macht. Jedenfalls sind diese Alten auch in ihrem letzten Lebensabschnitt keineswegs frei von Eifersucht, Rachegefühlen, Todesangst und Bosheit …

„Memento Mori“ ist ein Buch wie man es wohl selten liest. Muriel Spark schreibt hier tatsächlich nur über alte Menschen und ihre Beziehungen zueinander.

Mal ganz davon abgesehen, daß es wirklich gut geschrieben und spannend ist, und es sich auf jeden Fall lohnt, diesen Roman zu lesen … Ich glaube, daß man dieses spezielle Buch mehrmals in seinem Leben lesen sollte. Und zwar mindestens wenn man jung ist (wie ich *g*), wenn man mittelalt ist und wenn man alt ist. Auch wenn es vielleicht zu den beiden letzteren Gelegenheiten das ganze nicht mehr so entspannt konsumiert wie das erste Mal.

Sparks Blick auf das Alter ist nämlich ziemlich schonungslos. Zum einen sind da natürlich die ganzen Gebrechen und Krankheiten, über die man eigentlich nicht nachdenken möchte, wenn man auch bald alt wird. Zum anderen zeigt Sparks aber auch, daß man im Alter nicht notwendigerweise weiser oder gütiger wird. Ihre Alten sind sehr nahe am Leben (auch wenn die Geschichte, die sie erzählt durchaus phantastische Momente hat), und vielleicht ist gerade deshalb ihr Buch so gut.