Die drei Parzen

Die drei Parzen von Linda Lê
Die drei Parzen von Linda Lê

Paris – Saigon: Bevor das Schicksal den alten Herren abberuft, soll er noch einmal seine Töchter sehen. Eine Reise nach Frankreich ist geplant für den vietnamesischen König Lear, eine Wiederbegegnung mit seinen Mädchen, zwanzig Jahre nach ihrer nächtlichen Flucht vor dem Kommunismus. In der chromstahlglänzenden Exilküche hocken sie nun zusammen, die drei Parzen, und probieren ihre Lebensrezepte aneinander aus. Als Entkommene eines Desasters in Fernost begegnet jede von ihnen auf andere Weise der inneren Leere im westlichen Paradies.

Hochartistisch, kühn und unbarmherzig entlarvt Linda Lê die Lebenslügen einer traditionsbewußten Familie zwischen zwei Welten.

Hochartistisch ist ein Wort, daß auf „Die drei Parzen“ absolut zutrifft. Dadurch ist es nicht ganz einfach zu lesen, nimmt einem mit seinem ungeheuer großen Wortschatz, seinen phantasievollen Metaphern und seinem Rhythmus aber bald gefangen. Ab und zu habe ich mich fast an Dorota Masłowskas „Die Reiherkönigin“ erinnert gefühlt.

Dadurch ist es auch ein wenig schwer, die Schicksale der drei Frauen in Paris und der beiden Männer in Saigon nachzuvollziehen. Man muß erst die Metaphern entziffern, sozusagen. Dazu kommt, daß nicht immer unbedingt klar ist, wer die Ich-Erzählerin ist. Ich vermute, es ist die verstümmelte Cousine, aber ganz sicher war ich mir beim Lesen nicht immer.

Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) hat mir der Roman sehr sehr gut gefallen. Die Verlorenheit der Heimatlosen und Zurückgelassenen, ihre Zerrissenheit, die kleinen Hoffnungen … all das wird durch Lês ganz speziellen Stil ungeheuer gut transportiert.

Kann man nur empfehlen!