Ninotschka

Ninotschka von Ernst Lubitsch
Ninotschka von Ernst Lubitsch

Greta Garbo spielt hier eine pflichtbewusste sowjetische Kommissarin, die mit einer Delegation nach Paris reist, um einen Teil des zaristischen Juwelenschatzes zu verkaufen. Doch die Schönheit von Paris, Champagner und Seidenstrümpfe und das ganze „Savoir vivre“ lassen auch eine Vollblutkommunistin nicht kalt. So sehr sich Genossin Garbo auch bemüht schon bald hat sie die Stadt der Liebe in ihrem Bann. Was natürlich auch an dem charmanten Leon D’Algout (Melvin Douglas) liegt …

An „Ninotschka“ ist eigentlich alles wunderbar. Ein herrlich leichter Film, den man immer ansehen kann, wenn man eine Aufmunterung braucht.

Klar, die Charaktere sind reine Klischees, und die Story ist so vorhersehbar, daß man sie im Schlaf mitsprechen kann. Aber die Dialoge sind witzig geschrieben, die Schauspieler sind allesamt klasse und die Ausstattung ist einfach großes Theater.

Allerdings sollte man die Frisur von Greta Garbo völlig ausblenden. Die ist nämlich so scheiße, daß es fast nicht zu ertragen ist. Einfach mal einen kurzen Blick oben auf das Bild links riskieren … das Grauen!

Die drei Parzen

Die drei Parzen von Linda Lê
Die drei Parzen von Linda Lê

Paris – Saigon: Bevor das Schicksal den alten Herren abberuft, soll er noch einmal seine Töchter sehen. Eine Reise nach Frankreich ist geplant für den vietnamesischen König Lear, eine Wiederbegegnung mit seinen Mädchen, zwanzig Jahre nach ihrer nächtlichen Flucht vor dem Kommunismus. In der chromstahlglänzenden Exilküche hocken sie nun zusammen, die drei Parzen, und probieren ihre Lebensrezepte aneinander aus. Als Entkommene eines Desasters in Fernost begegnet jede von ihnen auf andere Weise der inneren Leere im westlichen Paradies.

Hochartistisch, kühn und unbarmherzig entlarvt Linda Lê die Lebenslügen einer traditionsbewußten Familie zwischen zwei Welten.

Hochartistisch ist ein Wort, daß auf „Die drei Parzen“ absolut zutrifft. Dadurch ist es nicht ganz einfach zu lesen, nimmt einem mit seinem ungeheuer großen Wortschatz, seinen phantasievollen Metaphern und seinem Rhythmus aber bald gefangen. Ab und zu habe ich mich fast an Dorota Masłowskas „Die Reiherkönigin“ erinnert gefühlt.

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Alle Seelen

Alle Seelen von Javier Marías
Alle Seelen von Javier Marías

Ein junger Spanier kommt als Gastdozent am All Souls College nach Oxford, ins Zentrum merkwürdiger Einzelgänger, brillanter Originale, seltsamer Spinner und nervöser Sonderlinge. „Tatsächlich ist Oxford eine der Städte der Welt, in der am wenigsten gearbeitet wird; die Tatsache, dazusein, ist dort sehr viel entscheidender als die Tatsache, etwas zu tun oder gar zu handeln.“ Wie ein Ethnologe beobachtet er die Sitten und Gebräuche dieser besonderen Gesellschaft aus Professoren und Studenten, Alumni und Tutoren, die Marotten und Obsessionen, ohne doch den rechten Eintritt in die Welt dieser ganz eigentümlichen und einmaligen Stadt gleich zu finden. Doch wird er zu einem der „high table“-Dinner geladen, einem dieser speziellen Oxforder Universitätsrituale. Das Dinner auf erhöhtem Platz vor den Augen der Studenten entwickelt sich im Laufe des Abends allerdings zum grotesken Gelage. Während des Essens treffen sich seine Blicke mit denen der verheirateten Dozentin Clare Bayes. „Ich muß sagen, so wie Clare Bayes mich verstohlen mit einer Mischung aus Spott und Mitgefühl beobachtete, beobachtete auch ich sie mit großem Gefallen und später, als der allgemeine Verfall am Tisch eingesetzt hatte, mit offener sexueller Bewunderung.“ So beginnt eine Affäre in Oxford …

Wieder ein verwirrender Klappentext. Manchmal frage ich mich, ob die Klappentextschreiber die Bücher überhaupt lesen oder nur ihre Zusammenfassung. „Alle Seelen“ ist nämlich weniger ein Buch über eine Liebesgeschichte, auch wenn eine Liebesgeschichte darin eine Rolle spielt. Es ist vielmehr ein Buch über Oxford, über seine seltsame Universitätsgesellschaft, über Heimat und Herkunft, Emotionen und die Art sie zu zeigen, über Lebensziele und Lebensträume, Würde, Sterben … Und tatsächlich auch eine Art ethnologische Aufzeichnung eines Außenseiters über einen seltsamen Stamm.

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Die Hälfte der Sonne

Die Hälfte der Sonne von Chimamanda Ngozi Adichie
Die Hälfte der Sonne von Chimamanda Ngozi Adichie

Die Hungerkatastrophe in Biafra, war die erste Katastrophe dieser Art, die von den Medien mit Berichten und Bildern begleitet wurde, die erste, die quasi direkt in den Wohnzimmern des reichen Westens ankam. Diese Bilder müssen so erschreckend und beeindruckend gewesen sein, daß der Ausdruck „dünn wie ein Biafrakind“ auch heute noch im deutschen Sprachgebrauch verwendet wird. Für mich, die ich einige Jahre nach der Katastrophe geboren wurde, war Biafra immer synonym mit den schrecklichen Bildern aus Afrika von ausgehungerten Menschen und den dürren Kindern mit ihren dicken Bäuchen. Bilder, die mich Mitte der 80er Jahre im Grundschulalter haben begreifen lassen, daß es auf dieser Welt tatsächlich Menschen gibt, die sterben, weil sie nichts zu Essen haben (ein Gedanke, der mich auch heute noch manchmal vor Ehrfurcht erschauern läßt angesichts der Fülle in unseren Supermärkten und dem Gefühl wirklich und wahrhaftig priviligiert zu sein mit meinem warmen Bett und meinem vollen Kühlschrank).

Aber was „Biafra“ wirklich bedeutet, ob das jetzt ein Landstrich in Afrika ist oder ein Stamm oder sonstwas, das wußte ich nicht. Erst aus „Die Hälfte der Sonne“ habe ich gelernt, daß Biafra für eine kurze Zeit einmal ein Staat gewesen ist:

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