Der Fall Deruga

Der Fall Deruga von Ricarda Huch
Der Fall Deruga von Ricarda Huch

Der Prager Arzt Dr. Sigismondo Enea Deruga, italienischer Abstammung, stolz bis zur Arroganz, temperamentvoll bis zum Jähzorn, spöttisch bis zum Sarkasmus, steht vor Gericht. Er wird verdächtigt, seine ehemalige, schwer krebskranke Frau Mingo Swieter, von der er seit siebzehn Jahren geschieden ist, in München ermordet zu haben. Deruga wird in Mingo Swieters Testament zum Alleinerben eines stattlichen Vermögens eingesetzt. Und schließlich war er einen Tag vor dem Tod seiner Ex-Frau nach München angereist. „Auf Betreiben der Baronin Truschkowitz und auf gewisse zureichende Verdachtsgründe hin … veranlaßte des Gericht die Exhumierung der Leiche, und es wurde festgestellt, daß Frau Swieter nicht infolge ihrer Krankheit, sondern eines furchtbaren Giftes, des Curare, gestorben war.“ Dr. Deruga bleibt während der Verhandlung desinteressiert an der Aufklärung des Falles und den Vorwürfen gegen ihn, was das Gericht zusätzlich gegen den Arzt einnimmt. Doch ein Brief der Ermordeten bringt eine überraschende Wendung des Verfahrens …

Naja … so überraschend war die Wende in „Der Fall Deruga“ dann doch nicht. 1917 als das Buch das erste Mal erschienen ist, mag so etwas noch überraschend gewesen sein, aber heutzutage? Ich will nicht zu viel verraten, aber das Thema wird immer wieder in unseren Medien diskutiert. Überraschend ist hier vielleicht aus heutiger Sicht dann vor allem die Reaktion des Gerichts auf die Wahrheit.

Leider wußte ich so ziemlich von Anfang an, worum es geht und wer die Frau wieso getötet hat. Das hat dem Buch dann doch einiges an Spannung genommen. Andererseits ist es so witzig und charmant geschrieben und hat so liebenswerte Charaktere, daß es sich trotzdem ganz angenehm lesen läßt. Kein großes Kino, aber sicher auch keine verschwendete Lesezeit.