Kannibalen

Kannibalen von Mahi Binebine
Kannibalen von Mahi Binebine

Am Strand von Tanger wartet ein Grüppchen Flüchtlinge auf das Boot des Schleppers. Einer von ihnen ist der junge Azûz, der die Geschichten seiner Schicksalsgenossen mitfühlend und voll trauriger Komik aufleben läßt. Er erzählt aber auch, wie die vor Kälte und Angst zitternd auf das Zeichen zum Aufbruch warten und wie sie versuchen, die Lichter am Horizont zu deuten – künden sie vom gelobten Land, der Festung Europa, oder sind sie eine Falle für unerfahrene Schlepper? Die Nacht zieht sich quälend in die Länge.

„Kannibalen“ ist nicht nur ein sehr gut aussehendes (das Cover ist einfach hammergeil!), sondern auch ein sehr gut geschriebenes Buch. Dabei tritt die Handlung mit dem Schlepper immer wieder in den Hintergrund, wenn sich Azûz an sein Leben erinnert oder an die Geschichten, die ihm die anderen Mitglieder der Gruppe über sich erzählt haben.

Ihre Schicksale sind zum Teil ziemlich heftig. Die Armut und Brutalität sowohl in Marokko als auch in Frankreich sind für uns fast unvorstellbar. Schlimmer als das ist noch die Selbstverständlichkeit, mit der dieses Schicksal teilweise akzeptiert wird. Und auch die Freude und das Staunen über Dinge, die für uns selbstverständlich, ja alltäglich sind.

Mahi Binebines Schreibstil gefällt mir zudem außerordentlich gut. Seine Dialoge sind ungeheuer lebendig, seine Beschreibungen intensiv, teilweise wunderschön und seine Charakterisierungen immer auf den Punkt. Ganz sicher ein Autor, den man empfehlen kann!