Verführungen

Verführungen von Marlene Streeruwitz
Verführungen von Marlene Streeruwitz

Helene Gebhardt, 30 Jahre alt, lebt in Wien, hat zwei Kinder, ist aber seit zwei Jahren von ihrem Mann Gregor getrennt, der sie wegen seiner Sekretärin sitzen ließ. Aufgrund der Kinder hat sie ihr Kunstgeschichtsstudium abgebrochen und hält sich mit einem Job in einer PR-Agentur über Wasser. Ihre Freundin Püppi vermag es kaum, sie aufzumuntern. Trotz aller Erschöpfung und Frustration durch den alltäglichen Überlebenskampf möchte Helen perfekt sein als Mutter, Tochter und Geliebte. Ihre Einsamkeit zwischen Haushalt, Büro und Kindern versucht sie mit erotischen Affären zu überbrücken. Während die Beziehung zu Alex eher nebenbei und wenig erfüllend abläuft, scheint die Liebesgeschichte mit dem Musiker Henryk Erikson aus Schweden ihr Selbstbewußtsein richtig zu heben, so daß sie ihrem Traum vom richtigen Leben für Momente, allerdings trügerische Momente, näher zu kommen scheint. Dann taucht Gregor gerade auf, als auch Henryk in der Wohnung ist: „Helene lachte. Gregor ging und schlug die Tür zu. Henryk kam aus der Küche und setzte sich zu Helene. Helene lachte noch lange …“

Wäre „Verführungen“ nicht so interessant geschrieben, hätte ich es wohl nicht zu Ende gelesen. Diese Geschichte ist nämlich ordentlich blöd.

Als Frau über eine Frau zu lesen, die sich nur ausnutzen läßt, die sogar noch merkt, daß sie ausgenutzt wird, sich denkt, was sie alles dagegen sagen oder tun könnte … und es dann doch nicht tut … Das muß nicht sein! Helene Gebhardt ist mit Abstand einer der dümmsten literarischen Charaktere, die ich je gelesen habe. Echt mal!

Der Stil, in der dieser Roman erzählt ist, hat mir aber ausgesprochen gut gefallen. Er ist so nahe an der Wirklichkeit, so direkt, so frisch und spannend. Klare, knappe Sätze, direkt aus dem Leben, ungeheuer realitätsnah, einfach klasse!