Ich dachte an die goldenen Zeiten

Ich dachte an die goldenen Zeiten von Bohumil Hrabal
Ich dachte an die goldenen Zeiten von Bohumil Hrabal

Bohumil Hrabal schildert seine Ehe aus der Sicht seiner Frau. Dabei entsteht wie von selbst das Bild einer skurrilen, kauzigen Prager Gesellschaft.

Eliška Hrabal hat es nicht leicht mit ihrem Mann: Wenn er, der unerwartet erfolgreiche Schriftsteller, beispielsweise sein Honorar im Einkaufsnetz durch die Straßen Prags trägt, bleibt ihr fast das Herz stehen. Oder als er, auf einer Lesereise im Ausland, die Flughafenarbeiter mit einer schweren Last einfach in eine falsche Richtung lotst und dafür fast Prügel bezieht … Das Leben mit solch einem Mann ist für Eliška nicht einfach, aber schön.

„Er hatte seinen Stil gefunden, Tränen standen ihm in den Augen, er war über sich selbst gerührt, und in diesem Augenblick hatte ich, wie auch alle anderen im Saal, nicht den Eindruck, sondern die Gewißheit, mein Mann war die Nummer eins, der Champion, der Weltmeister im Erzählen …“

Schon bei „Ich habe den englischen König bedient“ von Bohumil Hrabal habe ich mich köstlich amüsiert. „Ich dachte an die goldenen Zeiten“ ist mindestens genauso amüsant und noch ein wenig charmanter.

Hrabal blickt darin auf sein eigenes Leben zurück und zwar durch die Augen seiner Frau. Die stammt aus einer wohlhabenden und gebildeten Familie, die sich im 2. Weltkrieg dummerweise auf die falsche Seite (die deutsche) geschlagen hatte. Daher gibt sie das Verhalten von Hrabal und seinen Freunden mit einer gewissen Distanz und amüsiert-empörter Verwunderung, aber auch mit großer Sympathie wieder. Allein schon wie sie über die „Fehlleistungen“ ihres Mannes bei allzugroßem Alkoholkonsum berichtet ist urkomisch. Es ist ein recht schonungsloser Blick, mit dem sich der Autor hier betrachtet.

Bei aller Komik finden sich aber immer wieder tragische und traurige Stellen. Vor allem im Umfeld des Prager Frühlings. Hrabal weiß gekonnt seinen Leser einen tiefen Einblick in die Gesellschaft der Intelligenzia dieser Zeit zu geben. Und gerade die melancholischen Momente des Buches sind wunderschön.

Lesen!