Das Buch von Blanche und Marie

Das Buch von Blanche und Marie von Per Olov Enquist
Das Buch von Blanche und Marie von Per Olov Enquist

Blanche Wittman ist die Lieblingspatientin des Nervenarztes Charcot an der Pariser Salpêtrière. Als er auf geheimnisvolle Weise stirbt, wird sie die Assistentin von Marie Curie. Noch ahnt niemand etwas von den Gefahren der radioaktiven Strahlung. Als Blanche erkrankt, lebt sie ganz bei Marie Curie und beginnt ein Buch über die Liebe zu schreiben, ein Buch, in dem sie von Marie Curies Affären erzählt, von ihrer eigenen Liebe zu Charcot und dem Geheimnis um seinen Tod. „Die Liebe kann man nicht erklären. Aber wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?“ …

Man erwähnt am besten gleich als erstes, daß „Das Buch von Blanche und Marie“ reine Fiktion ist. Sicher, die Figuren sind alle historisch, und Per Olov Enquist hat sich mit Marie Curie und Blanche Wittman zwei der interessantesten Frauenfiguren ihrer Zeit herausgepickt und ihr Schicksal auf kunstvolle Art miteinander verwoben. Beweisbar ist diese Entwicklung allerdings nicht.

Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist sein Roman exzellent. Der Erzähler, der Blanches Aufzeichnungen kommentiert, in denen sie ihr und Maries Leben kommentiert … klingt verworren, liest sich aber ungeheuer leicht. Gerade die Passagen aus Blanches „Tagebüchern“ sind von einer literarischen Brillanz, die einfach nur atemberaubend ist.

Wie schon mehrfach erwähnt mag ich Elke Heidenreich ganz und gar nicht. Aber ihrem Zitat auf der Rückseite dieses Bandes kann ich nur zustimmen: „Sie werden diese beiden Frauen nie mehr vergessen!“ Aber es sind nicht nur die beiden Frauen, die hier in faszinierender Lebendigkeit vor den Augen des Lesers wieder ersteht. Es ist ein ganzes Zeitalter! Die Atmosphäre des Fin de siècle, die Aufbruchstimmung hinein ins 20. Jahrhundert, als Wissenschaft noch etwas Mächtiges, Spektakuläres und fast Magisches war, als man sich der Gefahren der Forschung noch nicht bewußt war.

Großartig, einfach nur großartig!