Transit

Transit von Anna Seghers
Transit von Anna Seghers

Frankreich 1940, der Erzähler, ein junger Deutscher, der aus einem Konzentrationslager nach Frankreich entkam und dort aus einem Internierungslager floh, soll in Paris dem Schriftsteller Weidel eine Nachricht überbringen. Doch der hat Selbstmord begangen. Der Erzähler schlüpft in Weidels Rolle, als er in dessen Papieren ein gültiges mexikanisches Einreise-Visum findet. Auf dem Weg nach Marseille erhält er von Freunden noch Personalpapiere auf den Namen Seidler. Er kann in Marseille die Behörden überzeugen, daß Weidel und Seidler identisch sind. Währenddessen wächst die Gefahr, die deutschen Truppen rücken nach Süden vor. „Alles war auf der Flucht, alles war nur vorübergehend, aber wir wußten noch nicht, ob dieser Zustand bis morgen dauern würde oder noch ein paar Wochen oder Jahre oder unser ganzes Leben.“ Als Weidels Frau Marie auftaucht und nach ihrem Mann forscht, verschweigt Seidler den Tod Weidels. Marie kann schließlich ausreisen, Seidler aber gibt sein Ticket zurück …

Anna Seghers ist mit „Transit“ ein seltsam schwereloses Buch über ein schweres Thema gelungen. Zudem noch über ein Thema, das sie biographisch extrem tief betroffen hat.

Dafür (oder vielleicht gerade deshalb) ist Seidler, dessen echten Namen man nie erfährt, ein amüsierter und zynischer Zeuge des allgemeinen Tanzes um Transitpapiere und Schiffspassagen. Seine Beobachtungen sind immer klug und oft amüsant. Seine Intrigen sind dagegen eher halbherzig, und seine Liebe, auch wenn er behauptet sie wäre groß und tief, irgendwie lau.

So wird das ganze Buch fast schon zu einem Gleichnis des Übergangs und der Wandlungen. Im Transit befinden sich nicht nur die Menschen, sondern auch Gefühle und Gedanken, Lebensplanungen und -erwartungen. Und das ganze auch noch leicht und charmant geschrieben.