Das Konzert

Das Konzert von Hartmut Lange
Das Konzert von Hartmut Lange

Der Pianist Lewanski, der achtundzwanzigjährig in Litzmannstadt erschossen wurde, soll in Berlin konzertieren. Frau Altenschul gab früher in ihrer Villa in der Voßstraße Gesellschaften. Später wurde sie deportiert und umgebracht. Sie hat die Hoffnung, daß Lewanski im Tode doch zu reifer Meisterschaft gelangen und so gleichsam sein Künstlerleben noch runden kann. Sie lädt ihn ein, sich in ihrer Villa vorzubereiten für das große Konzert. Ihr Freund, der alte Maler Max Liebermann, bleibt gegenüber solchen Wünschen skeptisch. Er sagt von sich, daß er Glück hatte, rechtzeitig zu sterben. Der Weg von seinem ehemaligen Atelier am Pariser Platz zur Altenschul-Villa führt Liebermann über die Straße Unter den Linden, als ob alles noch so sei wie zu Lebzeiten: „Aber er hatte auch, und dies ist das Geheimnis der Toten, den Blick für das Gegenwärtige, und so sah er gleichzeitig, daß es dieses Schloß nicht mehr gab und daß man an eben jenem Platz, auf den er sich zubewegte, eine Monstrosität aus Glas und Beton errichtet hatte.“ Der Auftritt in der Altenschul-Villa gelingt Lewanski so, daß er sich nach einigen Aufregungen zum Konzert entschließt. An seinem großen Abend wandert er, schon im Frack, durch die Stadt zur Alten Philharmonie, in der das Publikum der Toten ihn gespannt erwartet. Doch Lewanski gerät vom Wege ab und gelangt in Begleitung eines unheimlichen anderen Toten in einen ganz anderen Saal …

„Das Konzert“ ist eines der Bücher, die mich wirklich erstaunt haben. Ich hätte niemals damit gerechnet, daß jemand dieses Buch schreibt, niemals. Eine Juden-Nazi-Geistergeschichte im Berlin des Jahres 1986 … der Hammer!

Natürlich geht es dabei um Schuld und darum, wie man nach einem solchen Verbrechen weiterleben kann. Hartmut Lange betrachtet diese Punkte aber nicht schwarz-weiß sondern in einer Tiefe und Differenziertheit, die für eine so kurze Novelle absolut erstaunlich ist.

Ein nachdenklich machendes und gleichzeitig sehr unterhaltsames Buch, das jeder gelesen haben sollte. Nicht zuletzt deshalb, weil es einen ganz neuen Blick auf ein altes Thema wagt. Aber auch die Charakterisierungen der historischen und nicht ganz so historischen Figuren ist so ungeheuer gut gelungen, daß es eine reine Freude ist. Meine Lieblinge sind dabei der Jude Schulze-Bethmann und sein Mörder, der SS-Mann Klevenow. Tolle Dynamik!

Wirklich gelungen das Buch!