Wie vergewaltige ich einen Mann?

Wie vergewaltige ich einen Mann? von Märta Tikkanen
Wie vergewaltige ich einen Mann? von Märta Tikkanen

An ihrem vierzigsten Geburtstag wird Eva Randers – Hilfsbibliothekarin, geschieden – von Martti Wester in eine Diskothek eingeladen. Nach ein paar Drinks gehen sie in seine Wohnung, wo er sie fesselt, mit Alkohol überschüttet und vergewaltigt. Eva liebt ihre zwei Söhne und ihre Arbeit; ihr sexuelles Leben ist nicht unbefriedigend. Doch dieses Erlebnis stürzt sie in eine Krise. Gewohnt, Probleme allein zu bewältigen, liefert sie sich der Erniedrigung und ihren wirren Gefühlen nicht einfach aus, sondern übt eines Nachts an Martti Wester sorgfältig geplante, bitter-komische Rache …

OK, dieser Klappentext ist so ziemlich das Ärgerlichste, was ich jemals gelesen habe. Zwar stimmen die ungefähren Fakten, aber die Frau heißt Tova Randers und sie trifft den Mann nicht in einer Diskothek sondern in einem Tanzlokal, in dem er sie anspricht. Und ihre Rache ist vieles, aber ganz sicher nicht komisch. Irgendwie hat man da doch wirklich den Eindruck, daß derjenige, der diesen Text geschrieben hat, höchstens den Pressetext zum Buch gelesen hat, oder?

„Wie vergewaltige ich einen Mann?“ ist ziemlich starker Tobak. Nicht nur daß Tova vergewaltigt wird (was man „nur“ aus ihren Erinnerungen geschildert bekommt, was das ganze fast noch schlimmer macht), dieses Ereignis bewirkt auch, daß sie beginnt, schonungslos über ihr Leben nachzudenken. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern, Macht und Ohnmacht, Freiheit und der Verlust von Freiheit, Liebe … es sind die großen Themen, die dieses Buch bestimmen.

Sympathisch an „Wie vergewaltige ich einen Mann?“ ist, daß sich hier keine Antworten finden, oder zumindest keine allgemein gültigen. Die Grenze zwischen Tätern und Opfern verschwimmt, und gleichzeitig wird nichts relativiert. Allerdings sollte man dieses Buch wirklich nur lesen, wenn man sich mental stark genug dafür fühlt.