Maps

Maps von Nuruddin Farah
Maps von Nuruddin Farah

Askar kommt in Ogaden als Waise auf die Welt. Sein Vater ist dem Krieg zum Opfer gefallen, den Äthiopien und Somalia um dieses karge Land führen, seine Mutter stirbt sofort nach seiner Geburt, doch ein anderer Mensch tritt in das neue Leben: „Ja, du lagst wartend da wie in einem Hinterhalt, bis eine Frau, die von deiner Existenz nichts ahnte, in das dunkle Zimmer trat, in dem du seit der Sekunde deiner Geburt gelegen hattest.“ Die Frau heißt Misra, sie stammt aus Äthiopien und findet das schmutzige Kind mit dem starren Blick. Eine tiefe, liebevolle Beziehung entsteht zwischen den beiden, eine Welt, für die nur das Kind und Misra den Schlüssel besitzen. Doch da ist auch der reiche, böse Onkel Qorrax, den Askar nicht ausstehen kann und der ebenso wie Aw-Adan, der Priester des Dorfes, Anspruch auf Misras Zuneigung erhebt. Der Krieg um Ogaden trennt Askar von Misra und verschlägt den Jungen in die somalische Hauptstadt Mogadischu. Jahre später trifft er Misra dort wieder, aber unter neuen, düsteren Vorzeichen: Sie soll somalische Freiheitskämpfer an Äthiopien verraten haben …

In der afrikanischen Literatur, die ich bislang gelesen habe, findet sich immer wieder ein zentrales Motiv: Die Frage nach der eigenen Identität. Auch in „Maps“ fragt sich Askar immer wieder, was das eigentlich ist, ein Somali oder Somalia. Durch die politische Zerrissenheit des Landes ist er sich nicht sicher über das, was sein Volk definiert. Oder auch was andere Völker und Länder im Gegensatz dazu bestimmt und definiert.

Eingebettet ist dieses Thema in eine ungeheuer faszinierende Geschichte. Der Waisenjunge Asker zeichnet sich durch eine fast schon unglaubwürdig hohe Intelligenz aus, die ihn in vielen Situationen wie ein Erwachsener handeln und fühlen läßt. Seine Gedanken und seine Träume sind aber so nachvollziehbar und konsistent beschrieben, daß der Roman trotz allem sehr realistisch rüber kommt.

Die körperliche und geistig-seelische Qual, die Askar erlebt, als die Person, die für ihn nicht nur Ersatzmutter sondern die ganze Welt war, verdächtigt wird einen Verrat begangen zu haben, ist ungeheuer eindringlich beschrieben. Die Traumbilder, die Nuruddin Farah dabei als Metaphern und Ergänzung der äußeren Handlung benutzt, haben mich sehr beeindruckt. Aber auch die Charaktere, die in „Maps“ geschildert werden, sind so lebendig und größtenteils so sympathisch und interessant, daß man es bedauert, nicht mehr über das Schicksal einiger Nebenfiguren zu erfahren.

Ganz sicher nicht das letzte Buch von Farah, das ich gelesen habe!