Night on Earth

Night on Earth von Jim Jarmusch

Night on Earth von Jim Jarmusch

In fünf Episoden erzählt „Night on Earth“ von den Ereignissen einer ganz bestimmten Nacht, die jeweils in einer von fünf großen Metropolen stattfinden. Ein Taxifahrer und seine teils aberwitzigen und kuriosen Erlebnissen mit einem seiner Fahrgäste stehen jeweils im Mittelpunkt des Geschehens. Alles beginnt in der Dämmerung von Los Angeles, führt dann weiter nach New York, von dort nach Paris und Rom und endet schließlich in Helsinki im Morgengrauen.

„Night on Earth“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Ich bin irgendwann einmal im Nachtprogramm von ARD oder ZDF darüber gestolpert und sofort dabei hängen geblieben. Jim Jarmusch erzählt in fünf Episoden die Geschichte von fünf Begegnungen. Zum exakt selben Zeitpunkt steigt in fünf verschiedenen Städten jemand in ein Taxi. Was dann passiert ist immer originell, immer amüsant und immer sehr sehr typisch für die Stimmung der jeweiligen Stadt.

Die einzelnen Episoden:

Los Angeles – 19:07 Uhr Eine feine Dame, die als Talentscout für einen Filmproduzenten arbeitet, steigt zu einem jungen Mädchen ins Taxi. Die beiden kommen ins Gespräch über ihr Leben und über Männer. Am Ende der Fahrt bietet die Dame dem Mädchen eine Hauptrolle in einem großen Hollywoodfilm an. Das Mädchen lehnt ab, weil sie viel lieber Mechanikerin werden möchte und weil in ihrem Leben im Moment alles gerade perfekt läuft.

New York – 22:07 Uhr Ein Schwarzer steigt ins Taxi zu einem ostdeutschen Ex-Clown, der weder richtig Englisch noch Auto fahren kann noch sich in New York auskennt. Der Schwarze fährt schließlich selbst, lädt noch seine Schwägerin ein, die ihnen unterwegs begegnet und die beiden amüsieren sich über und mit dem Deutschen. Als sie zuhause ankommen und der Taxifahrer wieder selbst fahren muß, sind sie fast Freunde geworden und in ihrem Abschied liegt eine große Melancholie.

Paris – 04:07 Uhr Eine blinde Frau steigt zu einem Schwarzen ins Taxi, der zuvor zwei schwarze Diplomaten aus seinem Auto geschmissen hat, weil sie sich auf rassistische Weise über ihn lustig gemacht haben. Die Blinde fasziniert ihn und er stellt ihr Fragen über ihr Leben und wie sie damit zurecht kommt. Sie ist so agressiv wie er und die beiden verstehen sich „prächtig“.

Rom – 04:07 Uhr Ein Priester steigt zu einem sehr gesprächigen Mann ins Taxi, der sofort das Bedürfnis verspürt zu beichten. Seine Beichte ist sehr sehr deftig und löst bei dem Priester, dem es sowieso schon nicht allzugut geht, einen Herzinfarkt aus. Der Priester stirbt und der Taxifahrer setzt seine Leiche auf einer Bank aus.

Helsinki – 05:07 Uhr Drei sehr betrunkene Männer steigen zu einem Mann ins Taxi. Er befragt sie nach dem Grund ihres Trinkens. Sie erzählen ihm die traurigen Geschichte ihres Freundes (der bis zur Besinnungslosigkeit betrunken ist). Der Taxifahrer erzählt daraufhin seine eigene noch viel traurigere Geschichte, so daß die beiden schließlich wütend auf ihren Kumpel werden.

Das Besondere an diesem Film ist, daß die fünf Episoden in Originalsprache gedreht sind und Jarmusch auch nicht erlaubt, daß sie synchronisiert werden. Stattdessen sind sie untertitelt. Man bekommt also auch in Sprache und Ausdruck das Flair der jeweiligen Stadt mit.

Meine Lieblingsepisode ist die letzte, denn sie ist ganz wunderbar finnisch. Die schwächste Episode ist dagegen die in Italien. Eigentlich mag ich ja Roberto Benigni, der den Taxifahrer spielt. Aber hier spielt er sich ungeheuer in den Vordergrund, es geht im Grunde nur um ihn, während die anderen Episoden ihre Stärke aus dem Zusammenspiel der Schauspieler beziehen. Dazu kommt, daß der Schauspieler des Priesters auch nach seinem „Tod“ noch sehr sehr oft blinzelt.

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