Berittener Bogenschütze

Berittener Bogenschütze von Brigitte Kronauer

Berittener Bogenschütze von Brigitte Kronauer

Matthias Roth, Dozent der Literatur und Untermieter beim Ehepaar Bartels, beschäftigt sich intensiv mit dem Werk Joseph Conrads, den er „Dichter der Umarmungen“ oder besser „Dichter der einen Umarmung“ nennen will, denn: „Im lang ersehnten Moment fallen die Paare in Erstarrung, in Todesstarre sozusagen.“ Roth lebt aber selbst nach dem Prinzip, daß im Innersten der Leidenschaft „Leere, Stille, Einöde“ herrsche, also keine wirkliche Liebesbeziehung aufrecht erhalten werden kann. Er beobachtet und spiegelt sich in seiner Umwelt, in der Fürsorglichkeit von Frau Bartels mit ihrer weißen Schürze, die ihm Essen kocht und seine Frauenbekanntschaften kommentiert. Auch die Liebesbegegnungen mit der aparten Freundin Marianne können Roth nicht aus seiner Selbstbezogenheit befreien. Vielmehr wächst sich sein Leben in der Stadt als Dozent, Untermieter und Mann allmählich zur Krise aus, Matthias Roth gerät selbst in die Erstarrung. Erst eine Urlaubsreise ans Mittelmeer wird diese depressive Versteinerung auflockern. Die Wanderung in die Tiefen eines einsamen ligurischen Bergtals wird zur Begegnung mit dem Tod und mit sich selbst, die Roths so scheinbar festgefügtes Welt- und Selbstbild erschüttert. Zurückgekehrt vermag er diese Erfahrung nicht produktiv zu nutzen. Erst die Liebe zu Gisela, der Frau seines Freundes Hans, verändert den selbstsüchtigen Matthias Roth endgültig …

„Berittener Bogenschütze“ ist das erste Buch aus der SZ-Bibliothek, das ich nicht komplett durchgelesen habe. Selbst durch „Der Untergeher“ habe ich mich komplett gequält, obwohl ich es unerträglich fand und der Schreibstil mich unglaublich agressiv gemacht hat.

Brigitte Kronauers „Berittener Bogenschütze“ ist da anders, denn ihr Schreibstil ist exzellent. Sie geht virtuos mit der deutschen Sprache um (was heutzutage ja bei Autoren keine Selbstverständlichkeit mehr ist). Ihre Beschreibungen sind eindringlich und plastisch, ihre Charaktere nachvollziehbar, lebendig und schrullig-sympathisch. Außerdem verwendet sie die „stream of consciousness“-Technik, die ich eigentlich sehr gerne mag. Ich bin ein Fan von moderner Literatur, von Innensichten, von Charakteren, die etwas anders sind, ein leicht verschobenes Weltbild haben.

Im Grunde sollte dieser Roman also ganz auf meiner Wellenlänge liegen, sollte man meinen (zumal ich ja auch ein großer Fan von Joseph Conrad bin). Leider ist er aber furchtbar langweilig und das über 429 Seiten hinweg. Ich weiß nicht, woran es liegt, daß keine Spannung aufkommt, denn es passiert eigentlich ziemlich viel. Fakt ist, daß man sich durch immer neue tolle Beschreibungen und Überlegungen des Protagonisten quält und sich dabei krampfhaft wachhalten muß, weil das Buch so ungeheuer öde ist. Bis zum Anfang des vierten Kapitels auf Seite 218 habe ich das auch brav durchexerziert. Danach habe ich einfach immer 20-30 Seiten weitergeblättert, einige Abschnitte gelesen, festgestellt, daß es immer noch superlahm ist, wieder weitergeblättert, usw. Ich kann nicht sagen, daß ich dadurch etwas verpaßt hätte, wirklich.

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