Unter dem Regenmond

Unter dem Regenmond von Ueda Akinari

Unter dem Regenmond von Ueda Akinari

Ich habe ja vor kurzem schon einmal „Asiatische Sagen“ gelesen, worunter auch viele japanische Geschichten waren. „Unter dem Regenmond“ von Ueda Akinari verhält sich zu diesen Geschichten in etwa so, wie Volksmärchen sich zu den Kunstmärchen von Hans Christian Andersen verhalten. Ja, Andersen ist ein wirklich guter Vergleich zum Werk von Ueda, denn beider Geschichten sind gleichermaßen poetisch.

In „Unter dem Regenmond“ erzählt Ueda neun Geistergeschichten, die in Japan ausgesprochen beliebt sind. Dabei sollte man sich als westlicher Leser bewußt machen, daß japanische Geister sich deutlich von ihren westlichen Cousins unterscheiden. Vor allem aber sind die Unterschiede zwischen Geistern, Feen und Dämonen nicht so scharf gezogen wie bei uns.

Wenn man sich auf diese fremde Sagenwelt erst einmal einläßt (und die Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten im Anhang sind dabei sehr hilfreich), kommt man nicht umhin, Uedas Meisterschaft zu bewundern. Nicht nur daß seine Landschaftsbeschreibungen ungeheuer schön sind (und in diesem Sinne natürlich sehr japanisch), auch seine Dialoge sind ungeheuer spritzig und lebendig. Kaum zu glauben, daß sie aus dem Jahre 1776 stammen!

Ich persönlich fand den Schlangengeist aus „Die Liebe einer Schlange“ besonders unheimlich (und ungeheuer hartnäckig!). Und am japanischsten ist natürlich die Samuraigeschichte „Verabredung zum Chrysanthemenfest“, während der menschenfressende Dämon aus „Die blaue Kapuze“ besonders ekelhaft ist.

Auf alle Fälle ist „Unter dem Regenmond“ ein wunderschöner Klassiker, den man auch als Europäer gelesen haben sollte.

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