Niemand der mit mir geht

Niemand der mit mir geht von Nadine Gordimer

Niemand der mit mir geht von Nadine Gordimer

Die Juristin Vera Stark arbeitet in einer Stiftung, die willkürliche Umsiedlungen schwarzer Gemeinden verhindern will im Südafrika nach Ende der Apartheid. Ihr Mann Bennet, eigentlich ein Künstler, hat mit einem Partner eine Consultancy-Firma gegründet: „Allein zu Hause, nachts im Bett, besprachen sie stundenlang die Enttäuschungen, Sorgen, Ressentiments und Belohnungen, die sie tagsüber gesammelt hatten, gaben einander Ratschläge, suchten in ihren Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft den Zusammenhang, der ihr Leben war.“ Doch diese Nähe zwischen den beiden wird schwächer, als Vera sich immer stärker dem neuen Südafrika und seiner Politik zuwendet. Dabei zieht sie Zeph Rapulana als Orientierungsfigur des neuen Anfangs in seinen Bann. So beginnt sie, mit ihrer eigenen Vergangenheit zu brechen, auch wenn es ihr Leben mit Bennet bedroht. Parallel zu Veras Selbstvergewisserung steht die Geschichte ihrer schwarzen Freunde Didymus und Sibongile Maqoma, die aus dem Exil zurückkehren. Didymus, der alte Kämpfer des ANC, tut sich schwer mit diesem neuen, anderen Südafrika, während nun Sibongile als schwarze Politikerin Karriere macht. Didymus flüchtet mehr und mehr in die Vergangenheit, bis Sibongiles Name auf einer Todesliste auftaucht …

Wenn man den Titel „Niemand der mit mir geht“ liest, könnte man meinen, in diesem Buch würde es um Einsamkeit gehen, um Traurigkeit und Tragödien. Das tut es aber nicht. Sicher herrscht in dem Buch eine gewisse melancholische Stimmung, aber die Einsamkeit, die im Buchtitel mitschwingt, ist durchweg positiv besetzt.

Veras Neuorientierung hat auch nichts damit zu tun, daß sie einen anderen Mann kennenlernt. Ihre Beziehung zu Zeph Rapulana ist in keinster Weise sexuell oder auch nur erotisch. Es ist einfach eine tiefe Freundschaft, ein Geborgenfühlen in der Anwesenheit des anderen. Eigentlich aber bemerkt Vera, daß sie niemanden mehr braucht in ihrem Leben, daß sie sich selbst genügt (und eigentlich auch schon immer genügt hat). Was erstaunlich ist, denn sie hatte schon einige Männer in ihrem Leben. Und doch so naheliegend und schlüssig geschildert, daß man es jederzeit nachvollziehen kann.

Genauso faszinierend wie Veras persönliche Entwicklung ist es, die Verhältnisse in Südafrika zu verfolgen. Nadine Gordimer beschreibt die politisch ungeheur spannende Phase, in der der ANC Verhandlungen mit der weißen Regierung aufgenommen hat und die politisch Verfolgten wieder aus der Verbannung zurückkommen bzw. aus dem Gefängnis freigelassen werden. Wie Schwarz und Weiß mit den neuen Verhältnissen kämpfen und versuchen, mit sich selbst und den neuen Umständen zurechtzukommen, ist großartig geschildert. Dabei spart Gordimer nichts an Gewalt, Intrigen und Heucheleien aus.

Sowohl unter politischen als auch unter persönlichen Aspekten ein ungeheuer interessantes Buch!

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