Wer bist du, Anuschka?

Wer bist du, Anuschka? von Niza Ganor

Wer bist du, Anuschka? von Niza Ganor

Der berührende Bericht einer Überlebenden des Holocoust: Niza Ganor legt Zeugnis ab von der Kraft des Menschen, der Niedertracht und Schändlichkeit zu widerstehen.

Vielleicht bin ich mittlerweile zu anspruchsvoll. Aber genausowenig wie „Das darfst du nicht!“ hat mich auch „Wer bist du, Anuschka?“ nicht vom Hocker gehauen. Ähnlich wie Wally Nagel berichtet Niza Ganor auch eher episodenhaft über ihr Schicksal, und auch sie schafft es nicht, eine tatsächliche Nähe zu ihrem Leser aufzubauen.

Vor allem die Zeit, in der sie sich als Ukrainerin getarnt in Österreich aufhält, kommt einem beim Lesen sogar ziemlich idyllisch vor. Sie hat das Vertrauen der Hausherrin, wird von der sogar gefördert und befördert, ihre Situation ist also auf den ersten Blick nicht schlecht. Niza Ganor gelingt es hier nicht darzustellen, woher die Angst kommt, die sie trotzdem empfindet, wie belastend es gewesen sein muß, ständig die Entdeckung fürchten zu müssen.

Vielleicht liegt das aber auch daran, daß Niza Ganor eigentlich Lehrerin und keine Schriftstellerin ist. Gegen Ende des Buchs hat sie sich nämlich offensichtlich „eingeschrieben“, ihre Schilderungen werden ergreifender, packender und deutlich bewegender. Ich hätte mir hier einen mutigeren Editor oder Lektor gewünscht, der sie auf die Schwachstellen ihres Textes hingewiesen hätte. Aber wer traut sich das schon bei einer Auschwitz-Überlebenden?

Gut geeignet finde ich das Buch für Jugendliche, die vielleicht sogar das erste Mal mit diesem Stoff in Berührung kommen. Erwachsenen sei dagegen eher Jorge Semprúns „Was für ein schöner Sonntag!“ ans Herz gelegt.

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