Die folgende Geschichte

Die folgende Geschichte von Cees Nooteboom

Die folgende Geschichte von Cees Nooteboom

Schon von Cees Nootebooms „Allerseelen“ war ich begeistert. „Die folgende Geschichte“ ist noch besser, geradezu atemberaubend!

Wie immer ist Nootebooms Sprache ganz wunderbar, man kann dieses Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und Sätze von purer Schönheit lesen. Egal, ob er Menschen beschreibt oder Situationen, ob er Schauplätze, Teile einer Stadt schildert, Erinnerungsfetzen heraufbeschwört oder über Literatur nachdenkt, immer geschieht das in einer ungeheuer poetischen und dabei so kargen, fast knappen Sprache. Einfach grandios!

Die Geschichte, die er uns dabei erzählt, ist mehr als mysteriös und jedesmal, wenn wir denken, wir haben begriffen, was da geschildert wird, passiert wieder etwas, das alles umwirft. Ein Mann wacht eines Morgens in einem Hotelzimmer in Lissabon auf, obwohl er sich genau daran erinnert, am Abend davor in seiner Wohnung in Amsterdam ins Bett gegangen zu sein. Wir erfahren nach und nach, daß er schon älter ist und nicht gerade hübsch, ein ehemaliger Lateinlehrer, der mittlerweile Reiseführer verfaßt. In seiner aktiven Lehrzeit hatte er ein Verhältnis mit einer Biologielehrerin, deren Mann seinerseits ein Verhältnis mit einer Schülerin hatte. Wie alle diese Geschichten, geht auch dieses Mehrecksverhältnis schlecht aus, sogar fatal, denn die Schülerin stirbt bei einem Unfall. In Lissabon erinnert er sich an einige Tage, die er mit seiner Geliebten hier verbracht hat, besucht noch einmal die Stätten, die er auch mit ihr besucht hat, und besteigt schließlich ein Schiff, das ihn zusammen mit einigen Mitreisenden nach Südamerika bringt.

Erst auf den allerletzten vielleicht 15 Seiten begreift man, was da wirklich passiert, worum es sich bei dieser Geschichte handelt. Und plötzlich setzt sich alles zusammen wie ein Puzzle, man versteht Hinweise, die einem Nooteboom davor schon gegeben hat. Man liest weiter, atemlos, bis zum Ende, das einem mit Herzklopfen zurückläßt. Und im Prinzip möchte man das Buch sofort wieder von vorne beginnen, um es mit Wissen um das Ende noch einmal zu lesen.

DAS ist es, was ich ein gutes Buch nenne!

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