Einer flog über das Kuckucksnest

Einer flog über das Kuckucksnest von Milos Forman
Einer flog über das Kuckucksnest von Milos Forman

Ein Irrenhaus ist allemal besser als der Knast – findet der hartgesottene Draufgänger McMurphy: Vor Gericht gibt er sich als unzurechnungsfähig aus und läßt sich in eine staatliche Nervenheilanstalt einweisen. Doch was ihn dort erwartet, hätte er sich niemals träumen lassen: Eine boshafte Stationsschwester führt ein brutales, menschenverachtendes Regiment und die hilflosen Patienten vegetieren in Angst und Verzweiflung vor sich hin. Wer sich nicht anpaßt, wird ohne Gnade mit Elektroschocks gefügig gemacht. Doch McMurphy ist aus anderem Holz geschnitzt: Er nimmt die Herausforderung an und erklärt dem grausamen System den offenen Krieg …

„Einer flog über das Kuckucksnest“ ist Legende. Es ist nicht nur die schauspielerische Glanzleistung von Jack Nicholson, die diesen Film so groß macht. (Und Nicholson ist einfach bombastisch!) Das gesamte Ensemble ist großartig (allen voran Billy Bibbit und Will Sampson. wobei ich letzteren immer einfach genial finde), das Zusammenspiel ist exzellent und die Charaktere sind allesamt hochsensibel portraitiert.

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Ich habe den englischen König bedient

Ich habe den englischen König bedient von Bohumil Hrabal
Ich habe den englischen König bedient von Bohumil Hrabal

„Ich habe den englischen König bedient“ ist ein herrlich deftiger, bösartiger und so witzig wie melancholischer Schelmenroman. Der Ich-Erzähler beginnt ganz klein als Pikkolo in einem Hotel, steigt auf, wechselt die Hotels, eifert dem großen Hoteliers und Oberkellnern nach (von denen einer angeblich den englischen König bedient hat), bedient schließlich selbst den abessinischen Kaiser, verliebt sich während der Besatzungszeit in eine Deutsche, heiratet mit Ariernachweis, zeugt ein schwachsinniges Kind (und das in einem Lebensbornheim), steigt schließlich selbst zum Millionär und Hotelbesitzer auf, verliert alles und lebt schließlich zufrieden in der Einöde.

Die wunderbar naive und dabei gleichzeitig so weise Weltsicht des Protagonisten ist es, was „Ich habe den englischen König bedient“ zu einem wirklich lesenswerten Werk machen. Er stolpert durch sein Leben, getrieben von primitiven Instinkten, dem Wunsch nach Geld und Frauen, dem Bestreben von den Reichen und Mächtigen anerkannt zu werden. Bis er irgendwann an den Punkt kommt, an dem ihm das alles unwichtig wird. Schon vorher durchzieht immer wieder eine feine Melancholie das Werk, zum Beispiel wenn unser Kellner die deutschen Offiziere und ihre Frauen beobachtet, die sich zum letzten Mal sehen, bevor die Männer an die Front müssen. Am Ende des Buches herrschen aber durchweg die ernsteren Töne vor, gleichzeitig ist alles von einer heiteren Gelassenheit umwoben.

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Der Geliebte der Mutter

Der Geliebte der Mutter von Urs Widmer
Der Geliebte der Mutter von Urs Widmer

Dies ist eine Liebes- und eine Lebensgeschichte zugleich. Clara, die Mutter des Erzählers, verliebt sich in der Stadt am See unsterblich in den armen Dirigenten Edwin. Da war sie jung und wohlhabend: „Die junge Mutter, eine leuchtende Schönheit, war wie im Traum dahergeweht gekommen. Lange Beine mit Stöckelschuhen, ernst, mit schwarzen Augen, vollen Lippen, einem Pelz um die Schultern, einem Hut, der so groß wie ein Wagenrad war und unter dem eine gekrauste Mähne hervorquoll.“ Sie erlebt das erste, heftig umstrittene Konzert des von Edwin gegründeten Jungen Orchesters mit. Voller Begeisterung wird sie, auf seine Einladung hin, Mädchen für alles beim Jungen Orchester. Sie verwaltet die Finanzen, notiert sich jede Störung während der Proben, sorgt für Notenmaterial und genügend Stühle, organisiert Gastspiele; sie ist die Erste im Saal und verläßt als Letzte das Konzerthaus. Dann verliert ihr Vater am schwarzen Freitag 1929 sein Vermögen und stirbt. Ihr wird klar, daß sie jetzt arm ist. Doch der Dirigent macht Karriere und heiratet nicht sie, sondern eine Millionenerbin. Die Mutter aber behält jene eine Nacht nach dem ersten Konzert in Paris und die paar anderen in ihrem kleinen Zimmer im Herzen, während das alles für den Dirigenten nur Nebensächlichkeiten sind. Edwin wird berühmt und der reichste Mann des Landes. Clara heiratet auch, aber ihre Liebe zum Dirigenten, von der er nichts weiß und auch sonst niemand, brennt unvermindert fort …

„Der Geliebte der Mutter“ ist ein interessantes kleines Buch. Die portraitierte Mutter hat mehr als genug Probleme, einmal davon abgesehen, daß sie in einen Mann verliebt ist, der ihre Liebe nicht erwidert. Von Beginn an ist sie irgendwie anders, oder zumindest wird sie von ihrer Umgebung als anders wahrgenommen. Und so wird auch ihre Liebe zu dem aufstrebenden Dirigenten irgendwie anders, intensiver, schließlich obsessiv und krankhaft.

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Die folgende Geschichte

Die folgende Geschichte von Cees Nooteboom
Die folgende Geschichte von Cees Nooteboom

Schon von Cees Nootebooms „Allerseelen“ war ich begeistert. „Die folgende Geschichte“ ist noch besser, geradezu atemberaubend!

Wie immer ist Nootebooms Sprache ganz wunderbar, man kann dieses Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und Sätze von purer Schönheit lesen. Egal, ob er Menschen beschreibt oder Situationen, ob er Schauplätze, Teile einer Stadt schildert, Erinnerungsfetzen heraufbeschwört oder über Literatur nachdenkt, immer geschieht das in einer ungeheuer poetischen und dabei so kargen, fast knappen Sprache. Einfach grandios!

Die Geschichte, die er uns dabei erzählt, ist mehr als mysteriös und jedesmal, wenn wir denken, wir haben begriffen, was da geschildert wird, passiert wieder etwas, das alles umwirft. Ein Mann wacht eines Morgens in einem Hotelzimmer in Lissabon auf, obwohl er sich genau daran erinnert, am Abend davor in seiner Wohnung in Amsterdam ins Bett gegangen zu sein. Wir erfahren nach und nach, daß er schon älter ist und nicht gerade hübsch, ein ehemaliger Lateinlehrer, der mittlerweile Reiseführer verfaßt. In seiner aktiven Lehrzeit hatte er ein Verhältnis mit einer Biologielehrerin, deren Mann seinerseits ein Verhältnis mit einer Schülerin hatte. Wie alle diese Geschichten, geht auch dieses Mehrecksverhältnis schlecht aus, sogar fatal, denn die Schülerin stirbt bei einem Unfall. In Lissabon erinnert er sich an einige Tage, die er mit seiner Geliebten hier verbracht hat, besucht noch einmal die Stätten, die er auch mit ihr besucht hat, und besteigt schließlich ein Schiff, das ihn zusammen mit einigen Mitreisenden nach Südamerika bringt.

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