Adressat unbekannt

Adressat unbekannt von Kressmann Taylor

Adressat unbekannt von Kressmann Taylor

„Adressat unbekannt“, erstmals 1938 veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser Roman in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft.

Man kann es nicht anders sagen: Ein tolles Buch! Nur etwas über 50 Seiten braucht Kressmann Taylor, um eine eigentlich sehr komplizierte und spannende Geschichte um Freundschaft, Liebe, Politik und Verrat zu schreiben. Großartig!

Nur zwei oder drei Briefe braucht die Autorin, um so subtil wie geschickt dem Leser beiden Hauptfiguren vor Augen zu führen. Es ist eigentlich unglaublich, was man schon nach diesen paar Seiten alles über die Vergangenheit und Gegenwart ihrer Figuren weiß. Und nach dieser kurzen Einführung geht es auch schon richtig in die Vollen. Hitler hat die Regierung in Deutschland übernommen und Martin Schulse beginnt sich an die neuen Verhältnisse anzupassen. Schon bald ist es für ihn nicht mehr opportun mit Max Eisenstein befreundet zu sein. Als dann noch dessen Schwester Giselle, Martins frühere Geliebte, versucht, bei dem Deutschen Zuflucht zu finden, eskalieren die Ereignisse. Und Max rächt sich auf hochraffinierte Weise …

Ich möchte hier nicht allzuviel vorweg nehmen, denn dieses schmale Bändchen sollte jeder einmal in die Hand nehmen und durchlesen. Viel Zeit braucht es nicht, zumal man das Vorwort von Elke Heidenreich getrost weglassen kann. Zum einen verrät es viel zu viel über den Ausgang des Buchs, zum anderen macht die Heidenreich eigentlich nichts anderes als die Handlung noch einmal mit ihren Worten zu erzählen (bzw. vorwegzunehmen) und pflichtgemäß Betroffenheit zu heucheln. Muß man also echt nicht haben.

Den Text von Kressmann Taylor dagegen kann ich nur empfehlen. Gerade und vor allem für Jugendliche oder Lehrer, die noch eine Schullektüre suchen. Das Buch ist angenehm kurz und bietet doch viel Spielraum für Analysen und Diskussionen.

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