Maria Stuart

Maria Stuart von Stefan Zweig

Maria Stuart von Stefan Zweig

Dies ist die wahre Lebensgeschichte einer stolzen, schönen, begabten und machtbewußten, aber auch arroganten, ihren Liebes- wie Haßgefühlen ausgelieferten und bis zur Selbstzerstörung eigensinnigen Frau. Maria Stuart, Königin von Schottland und Frankreich, gehört, wie Stefan Zweig sagt, zu jenen sehr seltenen und erregenden Frauen, „deren wirkliche Erlebnisfähigkeit auf eine ganz knappe Frist zusammengedrängt ist, die eine kurze, aber heftige Blüte haben, die sich nicht ausleben in einem ganzen Leben, sondern nur in dem engen und glühenden Raum einer einzigen Leidenschaft.“ Zweig erzählt aus der Position des Unparteiischen temporeich den Aufstieg von der schottischen Kindkönigin zur Gemahlin des französischen Königs Franz II., ihre unglückliche Verwitwung und unerwünschte Rückkehr nach Schottland zwischen die Fronten von Protestantismus und Katholizismus. Er schildert die gefährlichen Amouren der Königin genauso wie die schier unendlichen politischen Verwirrungen und Verstrickungen, in denen alle Beteiligten schuldig werden an Konspirationen und Verrat, an Morden und Totschlag. Dabei entfaltet sich auch ein Bild Europas im 16. Jahrhundert, in dem Reformation und Gegenreformation, Königtum von Gottes Gnaden, Blutsbande und intrigante Kabinettspolitik sich gegenseitig auflauern und mit allen Mitteln um Machtvorteile kämpfen. Im Mittelpunkt stehen schließlich die beiden Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I., die sich persönlich niemals gesehen haben, sondern nur Briefe voller Hintersinn und List, voll falscher Liebenswürdigkeiten und drohender Untertöne wechselten. Am Ende gelingt es den englischen Ministern, ein tödliches Netz zu knüpfen, in dem sich Maria Stuart verfängt und Elisabeth von der Eile ihrer Untergebenen überrascht wird …

„Maria Stuart“ ist schon das zweite Buch unter den neuen 50 Büchern der SZ-Bibliothek, bei dem ich mich frage, wieso es in dieser Reihe publiziert worden ist. Denn es ist ganz deutlich kein Roman.

Sicher, auch in der ersten Hälfte der SZ-Bibliothek wurden biographische Bücher veröffentlicht. Aber das waren Autobiographien. „Maria Stuart“ dagegen ist eine Biographie und damit ja eher sowas wie ein Sachbuch. Stefan Zweig formuliert zwar sehr blumig, aber er diskutiert auch immer wieder Quellen. Und spätestens da ist das Buch kein Roman mehr.

Als Biographie aber ist „Maria Stuart“ wirklich klasse. Wenn man einmal darüber hinweg sieht, daß Zweig einige Bemerkungen über Maria Stuart und Elisabeth I. macht bzw. über ihr Frausein und ihr frauliches Verhalten, die man heutzutage wohl fast schon als sexistisch bezeichnen würde (und wenn man bedenkt, daß das Buch 1935 geschrieben wurde, sind diese Bemerkungen eigentlich recht putzig), dann kann man einfach nicht anders als die Kunst zu bewundern, mit der er diese beiden faszinierenden Frauengestalten vor den Augen seiner Leser erstehen läßt. Historisch akkurat, mit viel Liebe zum Detail, hervorragend psychologisch ausgeleuchtet und dabei jederzeit so spannend zu lesen wie ein Krimi … so sollten Biographien immer geschrieben sein!

Für mich war es eine faszinierende Entdeckung, daß Stefan Zweig auch Biographien geschrieben hat, das wußte ich nämlich gar nicht. Ich kannte ihn nur von seinen Novellen (hallo, SZ-Bibliothek-Redaktion, wieso nicht die in eure Reihe aufnehmen?). „Maria Stuart“ finde ich besser und werde ganz sicher die anderen Biographien, die Zweig geschrieben hat, auch noch lesen. (Und ich bedaure, daß er nicht auch eine über Elisabeth I. geschrieben hat.)

Das einzige, was ich nicht so toll fand, ist die Tatsache, daß die französischen Passagen nur teilweise übersetzt sind. Eventuell konnte Zweig damals davon ausgehen, daß ein gebildeter Mensch Französisch sprach, aber heutzutage … ICH hätte mir eine Übersetzung in Anmerkungen oder als Fußnoten gewünscht. Aber wahrscheinlich hat die SZ-Redaktion einfach den Text der Originalausgabe übernommen und sie nicht verändert. Schade.

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