Lügen in Zeiten des Krieges

Lügen in Zeiten des Krieges von Louis Begley

Lügen in Zeiten des Krieges von Louis Begley

Louis Begley erzählt die Geschichte von der Hölle der Todesangst und dem Überleben in ihr: Der Knabe Maciek aus T. in Polen, Sohn eines angesehenen jüdischen Arztes, erfährt, wie sich seine anfangs so wohl behütete, idyllische Kindheitswelt verfinstert bis ins Nachtschwarze mörderischer Ausweglosigkeit. Doch zuerst scheint alles im Lot, Maciek genießt seine Kindheit mit dem imposanten Großvater, der weichen Großmutter, der schönen Tante Tanja und dem sorgsamen Vater. Und seine Furcht vor dem Riesen in der Nacht wird beruhigt von Zosia, dem polnischen Kindermädchen. Doch mit dem „Anschluß“ Österreichs setzen Nervosität, Unruhe und Angst ein, der Kriegsausbruch im September 1939 verändert dieses Leben total. Die Deutschen kommen, Maciek und seine Familie müssen wie alle Juden ihr Haus verlassen. Was folgt, sind täglich Demütigung, Elend, Razzien, Todesfurcht und Tod, aber auch Knabenspiele, erwachende Pubertät. Tante Tanja befreundet sich mit dem Deutschen Reinhard, er hilft Macieks Familie mit falschen Papieren. Als die Deportation unmittelbar bevorsteht, warnt Reinhard die Familie und versteckt Tanja und Maciek in einer Wohnung in Lwów. Doch Gefahr und Verderben nehmen zu, Reinhard und die Großmutter werden von der Gestapo in T. entdeckt, er erschießt sich und die alte Frau und gewinnt Zeit für Tanja und Maciek durch diese Tat. Mit neuen Not- und Rettungslügen taumeln Tanja und Maciek, unter dem steigenden Druck, endgültig entdeckt zu werden, weiter durch das Inferno des Krieges …

„Lügen in Zeiten des Krieges“ ist ein verstörendes Dokument des Überlebens. Es beginnt langsam, fast langweilig, harmlos. Doch nach und nach steigert sich die Erzählung, verdichtet sich bis zu den beklemmend geschilderten letzten Kriegstagen.

Obwohl das Buch aus der Sicht des Knaben Maciek geschrieben ist, ist die eigentliche Hauptfigur, meiner Meinung nach, seine Tante Tanja. Es ist ungeheuer beeindruckend, was diese Frau alles tut, wie erfindungsreich sie ist, wie kühn. Bewundersnwert, wirklich. Man kann nur vermuten, daß Louis Begley hier seiner eigenen Mutter ein Denkmal setzt, die mit ihrem Sohn während des Krieges ebenfalls mit gefälschten Papieren von Lwów nach Warschau geflohen ist.

Aber auch in „Lügen in Zeiten des Krieges“ taucht wieder das auf, was mir schon in „Die schöne Frau Seidenman“ aufgefallen ist. Daß in Polen auch nach dem Krieg die Verfolgung der Juden nicht zuende war. Daß es auch nach dem Abzug der Deutschen Pogrome gab, die viele Juden zum Auswandern gezwungen hat, oder dazu, ihre falschen Identitäten beizubehalten. Erschreckend und traurig!

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