33 Augenblicke des Glücks

33 Augenblicke des Glücks von Ingo Schulze

33 Augenblicke des Glücks von Ingo Schulze

Sankt Petersburg steht im Mittelpunkt dieser Aufzeichnungen, die eigentlich „Hoffmanns Erzählungen“ heißen könnten, findet doch eine Reisende nach Petersburg die liegengelassene Mappe mit den Aufzeichnungen ihres zeitweiligen Mitreisenden Hoffmann. Sie schreibt dem Autor, er möge sich doch dieser Papiere annehmen und die Mappe publizieren: „Überarbeitet ergibt sie sicher eine recht kurzweilige Unterhaltung.“ Der nimmt die Herausgeberrolle an, weil diese Aufzeichnungen auch „die Möglichkeit in sich trügen, die anhaltende Diskussion um den Stellenwert des Glücks zu beleben.“ Durch diesen doppelten Rahmen steigt man ein in einen ganzen Kosmos aus komischen, grotesken, brutalen, tragischen und auch böse-finsteren Geschichten, entfaltet sich ein kaleidoskopartiges Panorama der Stadt an der Newa und ihrer Bewohner. Trinker und Huren, Arbeiter und Waffenhändler, alte tapfere Frauen aus den heroischen Tagen des Großen Vaterländischen Krieges tauchen genauso auf wie die Geschäftsleute der neuen Zeit, Mafiosi und ihre Handlanger. Mord und Totschlag sind genauso an der Tagesordnung wie zarte Bewegungen, Mitleid und Großmut. Auch vor Ekel und Entsetzen wird nicht Halt gemacht: Das alte Liebespaar Irina und Anatolij schlägt eine junge Waffenhändlerin auf grausige Weise tot; Florian Müller-Fritsch stinkt und stirbt. Doch das Häßliche alltäglichen Irrsinns und das Schöne guter Wünsche und sanfter Freundlichkeit, die Härte der Schläge und Schüsse wie das Weiche der Gefühlsregungen, wie sie die große Stadt in unendlicher Fülle bereithält, gehen im Reichtum dieser Erzählungen eine seltsam heitere, krause und unverwechselbare Mischung ein.

Bei „33 Augenblicke des Glücks“ frage ich mich dann doch, wieso es in der SZ-Bibliothek gelandet ist. Es ist jetzt kein schlechtes Buch, ganz im Gegensatz, einige der Geschichten sind ziemlich gut (und ziemlich ekelig, ich denke da vor allem an die Episode, in der drei Männer ein Mädchen bei lebendigem Leib auffressen). Aber es ist kein Roman. Und sollten in der SZ-Bibliothek nicht 100 große ROMANE der Weltliteratur versammelt sein?

Das Buch selbst hat, wie gesagt, einige recht gute Geschichten. Aber alles in allem hatte ich oft das Gefühl, daß hier zwar viele tolle Erzählansätze versammelt sind, alles aber doch ein wenig unfertig ist. Wenn Ingo Schulze aus einigen der Stories „gescheite“ Romane und aus den anderen eine Kurzgeschichtensammlung gemacht hätte, wäre es wahrscheinlich besser gewesen.

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