Out of Sight

Out of Sight von Steven Soderbergh
Out of Sight von Steven Soderbergh

Jack Foley ist der erfolgreichste Bankräuber im ganzen Land. An dem Tag, als er aus dem Gefängnis ausbricht, stiehlt er etwas, das viel wertvoller ist als Geld – das Herz von Karen Sisco. Sie ist klug, sie ist sexy, und unglücklicherweise – für Jack – ist sie Federal Marshal von Beruf. Die beiden wollen herausfinden, ob zwischen ihnen mehr ist als nur das Gesetz.

Ich kann Jennifer Lopez überhaupt nicht ab. Sie ist eine ziemlich miese Schauspielerin und mit ihren Gesangeskünsten ist es auch nicht weit her. Insofern war ich recht skeptisch was „Out of Sight“ anging. Zu meiner Freude hat sich der Film aber als toll herausgestellt.

Das liegt nicht an der Lopez (obwohl sie hier besser spielt als in jedem anderen ihrer Filme), sondern am Regisseur Steven Soderbergh und an ihren Mitspielern. Die Inszenierung ist großartig. Das Timing der Dialoge, die Konstruktion mit Rückblenden usw., die Musik und vor allem die Farben sind einfach nur sehenswert.

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Irren ist göttlich

Irren ist göttlich von Ágota Bozai
Irren ist göttlich von Ágota Bozai

Anna Lévay führt ein unauffälliges Leben in einer ungarischen Kleinstadt. Noch nie hat sie sich die verwitwete Lehrerin etwas zu Schulden kommen lassen. Warum muß dann ausgerechnet sie eines Tages feststellen, daß sie wundersamerweise mit einem Heiligenschein beschenkt worden ist? Und daß sie seit neustem übernatürliche Fähigkeiten besitzt? Kein Wunder, daß ihr ruhiges Leben von einem Tag auf den anderen aus den Fugen gerät …

„Irren ist göttlich“ ist ein köstlicher Roman, der sowohl witzig ist als auch nachdenklich stimmt. Ágota Bozai schafft es ganz ausgezeichnet, ihre Ausgangsidee von der stinknormalen Lehrerin, die plötzlich einen Heiligenschein hat, zu entwickeln. Unspektakulär entwickeln sich die Ereignisse und doch mit einer Logik, die jeder nachvollziehen kann.

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33 Augenblicke des Glücks

33 Augenblicke des Glücks von Ingo Schulze
33 Augenblicke des Glücks von Ingo Schulze

Sankt Petersburg steht im Mittelpunkt dieser Aufzeichnungen, die eigentlich „Hoffmanns Erzählungen“ heißen könnten, findet doch eine Reisende nach Petersburg die liegengelassene Mappe mit den Aufzeichnungen ihres zeitweiligen Mitreisenden Hoffmann. Sie schreibt dem Autor, er möge sich doch dieser Papiere annehmen und die Mappe publizieren: „Überarbeitet ergibt sie sicher eine recht kurzweilige Unterhaltung.“ Der nimmt die Herausgeberrolle an, weil diese Aufzeichnungen auch „die Möglichkeit in sich trügen, die anhaltende Diskussion um den Stellenwert des Glücks zu beleben.“ Durch diesen doppelten Rahmen steigt man ein in einen ganzen Kosmos aus komischen, grotesken, brutalen, tragischen und auch böse-finsteren Geschichten, entfaltet sich ein kaleidoskopartiges Panorama der Stadt an der Newa und ihrer Bewohner. Trinker und Huren, Arbeiter und Waffenhändler, alte tapfere Frauen aus den heroischen Tagen des Großen Vaterländischen Krieges tauchen genauso auf wie die Geschäftsleute der neuen Zeit, Mafiosi und ihre Handlanger. Mord und Totschlag sind genauso an der Tagesordnung wie zarte Bewegungen, Mitleid und Großmut. Auch vor Ekel und Entsetzen wird nicht Halt gemacht: Das alte Liebespaar Irina und Anatolij schlägt eine junge Waffenhändlerin auf grausige Weise tot; Florian Müller-Fritsch stinkt und stirbt. Doch das Häßliche alltäglichen Irrsinns und das Schöne guter Wünsche und sanfter Freundlichkeit, die Härte der Schläge und Schüsse wie das Weiche der Gefühlsregungen, wie sie die große Stadt in unendlicher Fülle bereithält, gehen im Reichtum dieser Erzählungen eine seltsam heitere, krause und unverwechselbare Mischung ein.

Bei „33 Augenblicke des Glücks“ frage ich mich dann doch, wieso es in der SZ-Bibliothek gelandet ist. Es ist jetzt kein schlechtes Buch, ganz im Gegensatz, einige der Geschichten sind ziemlich gut (und ziemlich ekelig, ich denke da vor allem an die Episode, in der drei Männer ein Mädchen bei lebendigem Leib auffressen). Aber es ist kein Roman. Und sollten in der SZ-Bibliothek nicht 100 große ROMANE der Weltliteratur versammelt sein?

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Drei Pinien Motel

Drei Pinien Motel von Linda Graf
Drei Pinien Motel von Linda Graf

Linda Graf entwirft das meisterhafte Portrait einer jungen Frau, die sich in ihrer Heimat mit einer Reihe von unbefriedigenden Bezugspersonen auseinandersetzen mußte und nun in Kanada ihr weibliches Rollenbild neu definiert. Dabei konzentriert sich die Autorin auf die authentische Evokation der kanadischen Provinzatmosphäre, die Entdeckung des Ungewöhnlichen im Alltäglichen, die Verunsicherung ihrer entfremdeten Hauptfigur, der schließlich das Geschenk neuer Zuversicht zuteil wird.

Der Einstieg in Linda Grafs „Drei Pinien Motel“ war für mich ein wenig schwierig. Zunächst kommt das Buch nämlich wie so ein typischer „wehleidige Frau geht auf Selbstfindungstrip“-Roman herüber. Und ich hasse diese Art von Büchern.

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