Die Jadefrau

Die Jadefrau von Nicole Mones

Die Jadefrau von Nicole Mones

Mit ihren roten Haaren und jadegrünen Augen erregt die Dolmetscherin Alice Mannegan es viel Aufsehen, wenn sie mit dem Rad durch die Straßen Pekings fährt. Obwohl die Amerikanerin seit langem in China lebt, ist sie eine Außenseiterin geblieben. Nun erhält sie die Chance, den Archäologen Adam Spencer auf seiner Suche nach dem sagenumwobenen „Pekingmenschen“ zu begleiten. Alice ahnt nicht, daß diese Reise zu den Ursprüngen der Menschheit eine Reise zu ihrem eigenen Ich werden wird …

Da ich selbst durch mein Studium nicht ganz unbeleckt bin in archäologischen Dingen, war ich auf „Die Jadefrau“ ziemlich gespannt. Bücher über Archäologen sind für mich eben durch meine Vorbildung zwar meist ein bißchen ärgerlich (weil unrealistisch), aber auch reichlich aufregend. Wer mag denn auch nicht Indiana Jones?

„Die Jadefrau“ dagegen hat sich beim Lesen dann doch eher als eine Art Chick lit entpuppt. Und sowas mag ich ganz und gar nicht. (Genausowenig kann ich Zeitschriften wie „Glamour“, „Vogue“ und „Gala“ ausstehen.)

Die archäologische Geschichte selbst ist dabei eigentlich gar nicht so schlecht. Sie ist insofern halbwegs realistisch, als daß die Archäologen außer ein paar Steinsplittern und einer(!) Elfenbeinperle so gut wie nichts finden. Auch das generelle Thema, der verschwundene „Pekingmensch“, die Konflikte um die Artefakte (westliche Ausgräber, arabische oder asiatische Länder, die ihre Kulturgüter schützen/zurückhaben wollen) ist im Grunde topaktuell!

Leider liegt der Fokus der Geschichte aber auf der Dolmetscherin Alice Mannegan, die in typischer Chick lit Manier auf der Suche nach Mr Right ist, bzw. in ihrem Fall nach dem „wahren Chinesen“. Sie wird mit allen Attributen beschrieben, die ich als Leser absolut nicht wissen möchte (zierlich, guter Körper, knackiger Arsch, extrem intelligent, witzig, charmant, und super sprachbegabt), und in der allerersten Szene, in der wir sie erleben, reißt sie einen Mann für einen One-Night-Stand auf (was sie, weil sie so toll ist, natürlich auch sofort schafft). Ja, das ist doch genau der Charakter, über den ich so lesen möchte.

Trotz ihrer tragischen Vergangenheit (ihr Vater ist ein böser Rassist, weshalb sie jetzt nur noch Chinesen poppt) und trotz ihrer großen Intelligenz, schafft unsere Heldin es erst einmal, sich so ziemlich alles zu verbauen. Hey, wer hätte auch gedacht, daß der Mann, den sie toll findet (und mit dem sie zusammen kommt, was man bei seinem ersten Auftreten schon weiß) und mit dem sie flirtet, es eventuell nicht so prickelnd finden könnte, wenn sie während sie ihm immer näher kommt, einen weiteren Mann für einen One-Night-Stand aufreißt. Oder daß er es eventuell krumm nehmen könnte, wenn sie hinter seinem Rücken Nachforschungen über seine während der Kulturrevolution verschwundene Frau anstellen läßt.

Aber weil so ein Buch halt auch einmal zu Ende gehen muß, renkt sich alles irgendwie wieder ein. Ihr Vater stirbt zwar, findet es aber plötzlich doch nicht mehr so schlimm, daß sie mit einem Schlitzauge rummacht und gibt ihr quasi seinen Segen. Der Chinese merkt, daß er immer noch verrückt nach ihr ist und sagt ihr, daß er auf sie warten wird. Ach und sogar die Archäologen finden etwas Superspannendes, das sie ausgraben können (auch wenn es nicht der „Pekingmensch“ ist).

Auch das wäre jetzt noch nicht ganz so schlimm, wenn da nicht diese Chick lit-typische Melodramatik wäre. „Ist er der wahre Chinese? Wird er mich lieben auch wenn ich eine Weiße bin? Ist mein Arsch knackig genug?“ Himmel nochmal! Muß das sein? Und auch diese ständige angeberische Verwendung von chinesischer Sprache (teilweise auch noch ohne sie anständig zu übersetzen) nervt ziemlich.

Muß man nicht gelesen haben.

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