Der Jakubijân-Bau

Der Jakubijân-Bau von Alaa al-Aswani

Der Jakubijân-Bau von Alaa al-Aswani

Der Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig – und eigentlich nie in dieser Direktheit – gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, das für seine Familie sorgen muß, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Da wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt.

Das Buch hat für Aufregung gesorgt. Es ist in Ägypten, Frankreich und Italien zum Bestseller geworden, besonders nach seiner Verfilmung. Der Film wurde an den Festivals von Berlin, Cannes und New York gezeigt und an den Filmfestspielen in Zürich mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Und nicht von ungefähr hat „Der Jakubijân-Bau“ für Aufregung gesorgt! Das Buch ist gut, es ist sogar verdammt gut, und es behandelt die drei großen Tabus der ägyptischen (bzw. eigentlich jeder) Gesellschaft: Politik, Religion, Sex. Dabei geht es in jeder Hinsicht ordentlich zur Sache. Da werden Wahlstimmen gekauft genauso wie Frauen oder Männer, es wird deftig über Sex erzählt (und natürlich geht es auch im Bett oder auf dem Teppich oder sonstwo gut zur Sache), junge Frauen werden belästigt, Gefangene werden gefoltert, Hochzeiten werden arrangiert, eine Abtreibung erzwungen, es wird gestorben, geliebt, getötet, gefeilscht, gemordet.

Dabei schafft es Alaa al-Aswani, all seine Charaktere so präzise und so menschlich zu zeichnen, daß sie allesamt sympathisch wirken und einem ans Herz wachsen. Der alte Aristokrat genauso wie die junge Ehefrau, der junge Terrorist genauso wie der homosexuelle Verleger. Allen Schicksalen folgt man mit dem selben Interesse und der selben Anteilnahme.

Auch hat mir der episodenhafte Stil al-Aswanis sehr gut gefallen. Die verschiedenen Leben verbindet vor allem, daß alle mit dem Jakubijân-Bau in Verbindung stehen. Einige der Personen kennen sich untereinander und haben Kontakt, andere gar nicht oder nur wenig. Die Handlung springt immer wieder zwischen den verschiedenen Erzählsträngen, beleuchtet schlaglichtartig Entwicklungen und Wendungen im Leben eines einzelnen, nur um sich dann einer ganz anderen Person zu widmen. Trotzdem werden alle Geschichten bis zum (größtenteils bitteren) Ende erzählt.

Ich bin nach dieser Lektüre froh, daß ich noch einige Romane aus arabischen Ländern hier liegen habe, denn bisher wurde ich von den orientalischen Erzählern noch nicht enttäuscht. Außerdem werde ich mich ein wenig umtun, um auch an die Verfilmung von „Der Jakubijân-Bau“ zu kommen, die auch ziemlich gut geworden sein soll!

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