Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino

Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino

Calvinos Roman ist ein raffiniertes literarisches Verwirrspiel. In ihm kauft sich ein Leser einen Roman des Autors Italo Calvino, der den Titel trägt „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“. Er beginnt ihn zu lesen, kommt aber nicht über die ersten Seiten hinaus. Ab Seite 17 wiederholt sich der Text, der Leser ist überzeugt, daß das Buch falsch gebunden sein muß. Er bringt es zurück in die Buchhandlung, um es umzutauschen. Dabei erfährt er, daß der Roman beim Binden mit dem Text eines polnischen Schriftstellers verwechselt worden sei. Was er gelesen habe, stamme nicht von Calvino, sondern von diesem osteuropäischen Autor. Der Leser nimmt dessen Roman mit nach Hause, nur um bald schon neue Fehler und Verwirrungen festzustellen. Erneut geht er zurück in die Buchhandlung, und kehrt mit einem neuen Roman zurück. Wird er diesmal endlich eine ganze Geschichte lesen können? Was sind das für eigenartige Bücher, die immer nur aus Romananfängen bestehen? Aber vielleicht sind die Texte schon gar nicht mehr das Entscheidende, denn der Leser geht aus einem bestimmten Grund immer wieder gerne zurück in die Buchhandlung: Er hat sich in eine andere Leserin verliebt.

Calvinos „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist ein faszinierendes literarisches Rätsel voller phantastischer Einfälle und poetischer Bilder. Mit diesem Roman gelang Calvino der internationale Durchbruch.

„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist tatsächlich ein tolles literarisches Experiment. Die verschiedenen Buchanfänge, denen der Leser auf der Suche nach dem einen Buch nachjagt, das er eigentlich lesen will, sind allesamt interessant und man möchte sie alle weiterlesen. Mein liebster ist aber „Ohne Furcht vor Schwindel und Wind“.

Der wirkliche Clou an diesem Roman ist aber, wie der Erzähler seinen Leser anspricht. Der Leser, den er auf diese literartische Suche schickt, ist der, den er als „seinen“ Leser des Romans anspricht. Auch die Buchanfänge sind so erzählt, wie der Leser sie wahrnehmen würde. Italo Calvino schildert die Eindrücke, die der Leser beim Lesen der Buchanfänge hat, die Erwartungen, die Enttäuschungen. Das hat mir einfach großartig gefallen!

Leider wird das Buch gegen Ende ziemlich abgedreht. Wenn am Anfang noch ein intriganter Übersetzer Schuld an dem ganzen Schlamassel mit den vertauschten Buchanfängen hat, wächst sich das Verwirrspiel schließlich auf totalitäre Staaten und verbotene Bücher aus. Und das ist dann doch … too much!

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