Die wilde Geschichte vom Wassertrinker

Die wilde Geschichte vom Wassertrinker von John Irving

Die wilde Geschichte vom Wassertrinker von John Irving

Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte vom Glück und Unglück des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, des eigenwilligen fahrenden Ritters im Kampf der Geschlechter, der ausschließlich seiner Waffe die Schuld an allem gibt. Seine Beschwerden sind ernster zu nehmen als die von Portnoy – der mußte nie so viel Wasser trinken.

Komisch oder gar „zwerchfellerschütternd schrill“ wie es in der Rezension des „Stern“ heißt, fand ich „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ nicht. Aber gut ist das Buch, absolut klasse sogar!

Das ist bisher John Irvings melancholischstes Buch, das ich gelesen habe. Während Fred Trumper orientierungslos durch sein Leben stolpert und ihm immer wieder absurde Dinge zustoßen, kann man sich wunderbar in ihn hinein versetzen (oder zumindest ich kann das). Im Grunde handelt der ganze Roman nämlich davon, wie schwer sich Trumper damit tut, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, sowohl für sich als auch für seine Familie.

Also beobachten wir ihn dabei, wie er durch viele skurrile Situationen stolpert, irgendwie aus Versehen Vater und Ehemann wird, seine Beziehungen durch schiere Dämlichkeit zerstört, seine Doktorarbeit ganz und gar nicht ernst nimmt, keinen Job lange behält und sich auch sonst reichlich kindisch benimmt. Erst nachdem er sich durch tiefste Täler geschlagen hat und sogar sowas wie eine traumatische Krise oder Psychose durchlebt hat, schafft er es halbwegs, sein Leben zu ordnen. Und wie sehr man es sich nach einiger Zeit wünscht, daß er es schafft! Irving gelingt es, diesen Versager so liebenswert darzustellen, daß man einfach nicht umhin kommt, eine geradezu empathische Verbindung mit Fred Trumper einzugehen. Umso wunderbarer, daß das Buch herrlich gut ausgeht.

Ein weiterer Beweis für Irvings Meisterschaft ist, daß er in mir den Wunsch geweckt hat, zwei in diesem Buch erwähnte, völlig fiktionale Werke anzusehen bzw. zu lesen. Zum einen den herrlich fiesen Film „Der Griff in die Scheiße“, zum anderen die altniedernordische Saga „Akthelt und Gunnel“. Allein wegen der Ausschnitte und Szenen aus diesen beiden Werken lohnt es sich „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ zu lesen!

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