Im Zeichen des Bösen

Im Zeichen des Bösen von Orson Welles

Im Zeichen des Bösen von Orson Welles

Orson Welles‘ zeitloses Meisterwerk – erstmals komplett und in ganzer Länge mit restauriertem Material zu sehen – ist ein außergewöhnlicher Film Noir über Korruption und Besessenheit. Welles selbst spielt den korrupten Polizeichef Hank Quinlan, der einem mexikanischen Jugendlichen ein Verbrechen anhängt, um seinen diabolischen Plan ungehindert durchführen zu können. Charlton Heston brilliert als ehrenhafter mexikanischer Drogenermittler, der mit Quinlan aneinander gerät, nachdem er dessen dunkle Vergangenheit ans Licht gebracht hat.

Meisterwerk ist bei einem Film wie „Im Zeichen des Bösen“ keineswegs übertrieben. Angefangen bei einer grandiosen Besetzung (auch wenn Charlton Hestons mexikanischer Akzent im amerikanischen Original zunächst etwas … naja … lustig ist), die alle emotionalen Register zieht, über die raffinierte Musikuntermalung (die Quellen der Musik sind immer IM Film, also Radio, Jukebox usw.), bis hin zu der düsteren Geschichte um Korruption und Schuld, alles ist einfach … wow!

Aber es sind, denke ich, wirklich die Bilder, die Orson Welles hier geschaffen hat, die einem am längsten im Gedächtnis haften bleiben. „Im Zeichen des Bösen“ ist eine Symphonie in Schwarz und Weiß. Welles nutzt alle Möglichkeiten des Schwarz-Weiß-Films meisterhaft aus. Nie waren Schatten so düster, nie traten Gestalten aus dem Dunkel so hell und groß hervor. Allein das Gesicht von Marlene Dietrich in all seinen harten Kontrasten zu betrachten macht diesen Film sehenswert. Und dann noch diese Eingangssequenz, komplett ohne Schnitt gedreht, so raffiniert auf Protagonisten und Schauplätze hinweisend (und das alles fast völlig ohne Worte).

In der Ausgabe der SZ-Cinemathek bekommt man übrigens (Gott sei Dank!) den Film so wie er von Welles eigentlich gedacht war. Das Filmstudio hatte nämlich „Im Zeichen des Bösen“ komplett umgeschnitten, worauf Welles ein 58seitiges Memorandum verfaßt hat, in dem er um Änderungen bat. Das wurde dann leider erst 13 Jahre nach seinem Tod und ganze 40 Jahre nach Erscheinen des Films tatsächlich gemacht. Auf dieser DVD findet sich also quasi der posthume director’s cut.

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