Das periodische System

Das periodische System von Primo Levi

Das periodische System von Primo Levi

Das periodische System chemischer Elemente gibt dem Schriftsteller und Naturwissenschaftler Primo Levi den Aufbau seiner Autobiographie vor: In einundzwanzig Kapiteln, die alle mit dem Namen eines chemischen Elements bezeichnet sind, analysiert er sein Leben mit wissenschaftlichem Blick. Da ist das erste Kapitel, das er mit „Argoon“ überschreibt und in dem er von seinen Vorfahren erzählt, die jüdischen Kaufleute im Piemont waren und mitunter so „träge und mit ihrem Zustand zufrieden“ wie dieses Gas. Dann gibt es das Kapitel „Zink“, in dem er davon berichtet, wie sehr er zunächst darunter gelitten hat, als jüdischer Student als „unrein“ empfunden worden zu sein. „Gold“ berichtet von seinen Abenteuern als Partisan, „Chrom“ davon, wie er seine Ehefrau kennengelernt hat. Levi findet eine wissenschaftliche Form der Selbstbetrachtung, die fasziniert.

Wie kann es eigentlich sein, daß die Feuilletonredaktion der SZ diese Buchreihe aussucht und rezensiert, sie also offensichtlich gelesen hat, und dann doch so ein Klappentext geschrieben wird? „Das periodische System“ ist nämlich, auch nach der Selbstaussage von Primo Levi in diesem seinem eigenen Buch, keine Autobiographie. Wie sollte es auch eine sein, da er doch schon in „Ist das ein Mensch?“ über seine Zeit im Konzentrationslager Auchwitz und in „Die Atempause“ über seine lange Heimkehr durch ganz Europa nach Italien geschrieben hat. Und in diesem Roman über genau diese Erlebnisse eben nicht mehr schreibt. Was für eine Art Autobiographie soll das sein, in der so entscheidende Dinge einfach fehlen?

Auch hält sich Levi nicht streng an das periodische System, wie im Klappentext behauptet. Stattdessen erzählt er Episoden aus seinem Leben, die mit den Elementen zu tun haben, die als Überschrift über dem jeweiligen Kapiteln stehen. So trifft er eben im Kapitel „Gold“ nachdem er als Partisane in Gefangenschaft gekommen ist, einen Schmuggler, der Gold wäscht. Und in „Chrom“ trifft er zwar auch seine Frau, aber vor allem geht es darin um ein auf Chromaten basierendes Rostschutzmittel. Denn Primo Levi hat Chemie studiert und immer als Chemiker gearbeitet, er hat viele solcher Geschichten zu erzählen.

„Das periodische System“ ist ein überaus faszinierendes und unterhaltsames Buch. Zum einen weiß Levi nämlich wirklich spannend von seinem Beruf, der Chemie, zu erzählen, was für die meisten in der Schule doch ein eher dröges Thema ist. Hier erhält man einen kleinen Einblick in die Denkweise eines Chemikers, spürt seine Begeisterung für seine Tätigkeit. Zum anderen ist dieses eigentlich auf autobiographischen Episoden basierende Buch immer wieder von Geschichten unterbrochen, die Levi (oft während seiner Arbeit) geschrieben hat. Er erwähnt im Kapitel vorher dann immer, daß er viel Zeit hatte im Labor und ihm deshalb einige Geschichten eingefallen sind, die er unbedingt aufschreiben mußte, und im nächsten Kapitel wird dann genau diese Geschichte abgedruckt. Eine tolle Gelegenheit nicht nur seine Frühwerke zu lesen, sondern auch viel über die Umstände zu erfahren, unter denen sie entstanden sind. Cleverer kann man sowas eigentlich gar nicht präsentieren!

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