Alles über meine Mutter

Alles über meine Mutter von Pedro Almodóvar

Alles über meine Mutter von Pedro Almodóvar

Der Tod ihres 18jährigen Sohnes führt die Krankenschwester Manuela nach Barcelona zurück. Sie will ihrem Ex-Geliebten Esteban offenbaren, daß er der Vater ihres verstorbenen Sohnes ist. Eine abenteuerliche Suche beginnt, denn Esteban heißt jetzt Lola und hat Brüste. Manuela trifft auf echte und vermeintliche Frauen, die Hilfe noch nötiger brauchen als sie: den Transsexuellen La Agrado, die Schauspielerin Huma Rojo und die Nonne Rosa. Ihre bunte Ersatzfamilie hält Manuela schon bald so in Atem, daß ihr gar keine Zeit mehr für die eigene Trauer bleibt.

Es war ein weiter Weg für Pedro Almodóvar von seinen Anfängen mit „Labyrinth der Leidenschaften“ bis hin zu „Alles über meine Mutter“. Fast 20 Jahre später spielt Cecilia Roth wieder die Hauptrolle, und wo sie damals die nymphomane Sexilia mit großer Lust an der Schamlosigkeit gespielt hat, gibt sie diesmal eine überwältigende Vorstellung als trotz ihrer Trauer selbstlosen Mutter. Ja, es ist ein großer Schritt von Almodóvars skurrilen Einfällen in seinen ersten Filmen, bis zu diesem, geradezu klassischen Werk.

Nicht von ungefähr erinnert schon der Titel an den Bette Davis Klassiker „Alles über Eva“. Sowohl inhaltlich als auch formal wird immer wieder auf diesen großartigen Film Bezug genommen. So sind die Kameraeinstellungen und Dialoge von eleganter Schlichtheit, untermalt von perfekt abgestimmter Musik. Und wie „Alles über Eva“ lebt „Alles über meine Mutter“ von seinen Frauen, seinen Schauspielerinnen (auch wenn Antonia San Juan dabei eine Transsexuelle spielt). Es ist ihre verhaltene Gestik, ihre in Schönheit gealterten Gesichter, ihre dezente, würdevolle und gleichzeitig so ausdrucksstarke Mimik, die diesen Film prägen, der zu Recht einen Oscar gewonnen hat.

Trotzdem ist „Alles über meine Mutter“ immer noch ein ganz typischer Almodóvar. Immer noch sind seine Charaktere ein wenig anders als die anderen. Hier treten auf: Eine Frau, die mit einem Transsexuellen verheiratet war, eine Nonne, die ein Kind bekommt, eine großherzige transsexuelle Hure, eine lesbische Schauspielerin, die an ihrer drogenabhängigen Freundin verzweifelt. Gleichzeitig gelingt es dem Regisseur (vielleicht durch die Rolle der Manuela, die all diesen Menschen völlig normal und menschlich umgeht) seinen Figuren eine große Würde zu verleihen, und das selbst wenn sie von Oralverkehr sprechen. Das muß man erst einmal fertig bringen!

Vielleicht deshalb habe ich bei einem Film selten so oft geheult wie bei diesem (definitiv ein bedeutendes Qualitätsmerkmal). Und das sogar bei der Widmung am Schluß:

Für Bette Davis, Gena Rowlands, Romy Schneider …
Für alle Schauspielerinnen, die Schauspielerinnen gespielt haben,
für alle Frauen, die (schau)spielen,
für alle Männer, die (schau)spielen und zu Frauen werden,
für alle Menschen, die Mutter sein wollen.
Für meine Mutter.

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