Catch 22

Catch 22 von Mike Nichols

Catch 22 von Mike Nichols

Mike Nichols führte die Regie bei dieser großartigen Kinoadaption von Joseph Hellers bissiger, schwarzer Komödie über eine kleine Gruppe Flieger am Mittelmeer im Jahr 1944. Sie sind Gewinner und Verlierer, Opportunisten und Überlebende. Jeder für sich und alle zusammen sind sie nervös, voller Angst, oft profan und manchmal pathetisch und fast alle ein wenig verrückt. „Catch 22“ ist eine Antikriegssatire von epischer Größe.

Nachdem ich die Buchvorlage zu „Catch 22“ gelesen hatte, war ich auf die Verfilmung ziemlich gespannt. Einerseits war dieser 570-Seiten-Wälzer in seiner Personenfülle und Masse an Ereignissen für mich im Prinzip unverfilmbar. Andererseits ist Mike Nichols der Regisseur, der „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ grandios verfilmt und für „Die Reifeprüfung“ einen Oscar bekommen hat.

Und ich muß sagen „Chapeau, Mr. Nichols“, diese Verfilmung trifft wirklich den Kern des Buches! Natürlich mußte an verschiedensten Stellen gekürzt werden, einiges wurde neu zusammengestellt und findet etwas anders statt als im Buch (Natelys Tod und McWatts Selbstmord z.B.). Auch wurden einige Charaktere und die kompletten Intrigen innerhalb der Kommandoebene völlig weggelassen. Den verbleibenden Charakteren selbst fehlt es mangels Zeit für die Charakterentwicklung zudem etwas an Tiefe.

Andererseits schafft Nichols es gut, den Zuschauer durch Yossarians Augen sehen zu lassen. Die Absurditäten des Kriegs, die von allen außer Yossarian als völlig normal hingenommen werden, der Schrecken der Kampfeinsätze, die Verzweiflung der Piloten und ihr zunehmender Wahnsinn werden eindringlich dargestellt. Und gerade in den traumhaften Erinnerungssequenzen an Snowdens Tod wird auch nicht mit ekelhaften Details gespart. Zartbesaitete Gemüter sollten sich den Film also besser nicht ansehen. Allen anderen kann ich nur raten, vorher oder danach das Buch von Joseph Heller zu lesen. Man erkennt nach der Lektüre noch wesentlich mehr der teilweise nur kurz erscheinenden Charaktere und kann so dem Film durch das eigene Wissen noch viel mehr Tiefe verleihen. (Und wer wissen möchte, wieso zum Schluß auf dem Rollfeld eine Parade abgehalten wird, der kommt um das Buch auf keinen Fall herum. *g*)

Bemerkenswert ist vielleicht noch, daß die eine kurze Szene, in der Paula Prentiss als Krankenschwester Duckett völlig nackt und von vorne zu sehen ist, 1970 als der Film erschien noch ein kleiner Skandal war. Wie schnell sich die Zeiten ändern …

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: