Bronsteins Kinder

Bronsteins Kinder von Jurek Becker

Bronsteins Kinder von Jurek Becker

Hans Bronstein ist achtzehn Jahre alt und will vom Schicksal seines Vaters, eines Juden und ehemaligen KZ-Häftlings, nichts wissen. Doch dann entdeckt er, daß dieser im Waldhaus der Familie einen einstigen KZ-Aufseher gefangen hält, um ihn zu foltern und zum Geständnis seiner Untaten zu zwingen. Jetzt kann Hans seine Augen vor dem Trauma des Vaters nicht mehr verschließen. Der Sohn fragt sich, ob „einer, der mit dreißig geschlagen wird, mit sechzig zurückschlagen“ darf. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung um Schuld und Sühne, um Vergebung und Selbstjustiz. Hans kann das Verhalten seines Vaters nicht billigen und entschließt sich, den Gefangenen freizulassen. Doch als er in der Waldhütte ankommt, wartet eine schreckliche Überraschung auf ihn.

Ich weiß nicht so recht, was ich von „Bronsteins Kinder“ halten soll. Das Thema könnte sicher spannend sein und die moralischen Fragen, die hier aufgeworfen werden sind mehr als interessant: Darf man sich selbst zum Richter über einen früheren Peiniger machen? Ist eine Justiz akzeptabel, die nach ideologischen Maßstäben urteilt?

Allerdings wird viel von dieser Spannung wieder verdorben. Zum einen durch die Tatsache, daß Hans Bronsteins Vater nicht „seinen“ ehemaligen KZ-Aufseher gefangen hält, sondern „nur“ irgendeinen, zu dem er keine persönliche Beziehung hat, den er nicht einmal kennt. Dadurch wird der Geschichte viel an Intensität genommen.

Zum anderen ist die Art, wie Jurek Becker seinen Roman aufbaut, nicht dazu geeignet, Spannung aufzubauen. Er erzählt auf zwei verschiedenen Ebenen einmal die Geschichte um den KZ-Aufseher und einmal die Geschichte von Hans Bronstein zwei Jahre nach diesem Ereignnis. Man weiß also von Anfang an, daß Hans diese Ereignisse überstanden hat und daß sein Vater dabei irgendwie ums Leben gekommen ist.

Also ist dieser Roman vor allem eine Studie über das Leben in der DDR. Über den Alltag, die Vergangenheitsbewältigung, den Umgang mit jüdischen Mitbürgern. Die moralischen Fragen interessieren dabei nur am Rande und auch der Rest der Geschichte tröpfelt nur so dahin. Wie gesagt, im Prinzip ein guter Stoff aus dem man viel hätte machen können …

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