Leviathan

Leviathan von Julien Green

Leviathan von Julien Green

Guéret wird enttäuscht in seiner Liebe zu Angèle, einem schon früh zur Prostitution gezwungenem Mädchen. Er rächt sich an ihr durch schwere Mißhandlungen und flieht. Doch auf der Flucht wird er zum Mörder. Er begegnet zwei Frauen, die mit ihm ihr Spiel treiben. Auf der einen Seite intrigiert die Gastwirtin Frau Londe, Angèles Zuhälterin. Auf der anderen Seite sucht die sadistische Frau Grosgeorge in einer Affäre mit Guéret den Ausweg aus ihrer langweiligen, großbürgerlichen Ehe. Doch als sie von Guérets Liebe zu Angèle erfährt, gerät der Mikrokosmos der Abhängigkeiten aus den Fugen.

Die Geschichte, die in „Leviathan“ erzählt wird, ist, obwohl im 20. Jahrhundert geschrieben, seltsam altmodisch und gleichzeitig irgendwie außerhalb jeder Zeit und auch irgendwie außerhalb jedes Raumes. Umso mehr kann sich Julien Green auf die Innenwelt seiner Charaktere konzentrieren. Und die Art, wie er über Gefühle schreibt ist schlicht großartig.

Überhaupt, Greens Sprache ist unglaublich! Er schafft es, selbst die banalsten Dinge ungeheuer spannend und poetisch zu beschreiben. Dabei spiegeln oft die äußeren Umstände die inneren Vorgänge in den Charakteren, oder die Schönheit der Umgebung wird der Düsternis der Gedanken entgegengestellt, manchmal werden in den Beschreibungen auch spätere Ereignisse angedeutet. Auf alle Fälle ist es großartig zu lesen:

[…] Nichts ist köstlicher als diese ersten Herbsttage, an denen die von machtvollen Brandungswellen bewegte Luft einem unsichtbaren Ozean gleicht, dessen Wogen sich in den Baumkronen brechen, während die Sonne über all dem Tosen, all dem Tumult noch der kleinsten Blume ihren eigenen Schatten gewährt, der bis zum Abend hin rund um ihren Stengel kreist. Aus dieser Ruhe, diesem Ungestüm entsteht ein Eindruck, in dem Kraft sich mit einer Süße mischt, die die menschliche Sprache nicht wiedergeben kann. Es ist eine Ruhe ohne Erschlaffung, eine Erregung, der keine Müdigkeit folgt; […]

Der Klappentext ist aber, einmal mehr, ziemlich ärgerlich. Die ersten beiden Sätze sind eigentlich das einzige, was dabei stimmt. Das Buch lesen, sollte man trotzdem. Es ist definitiv gut.

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