Bom dia camaradas

Bom dia camaradas von Ondjaki

Bom dia camaradas von Ondjaki

„Sag mal, Genosse António, findest du’s nicht besser, daß unser Land frei ist so wie jetzt?“ Mit dieser Frage will der zwölfjährige Ndalu den Koch der Familie aus der Reserve locken, aber der antwortet meist nur mit geheimnisvollem Lächeln. Ndalu kennt die Kolonialzeit in Angola bloß aus Erzählungen. Doch bald beschäftigen ihn ganz andere Dinge: Er soll im Radio zu hören sein, und außerdem kommt seine Tante aus Portugal zu Besuch und bringt bestimmt jede Menge Geschenke mit. Und dann gibt es auch noch das Gerücht, daß eine Bande einen Überfall auf seine Schule plant.

„Bom dia camaradas“ zeigt uns Angola gegen Ende der 80er Jahre aus Sicht des Kindes, das der Autor Ondjaki damals gewesen ist. Dabei erzählt er nicht nur ungeheuer sympathisch von seinen witzigen Kindheitserlebnissen und Streichen, sondern gibt auch einen faszinierenden Einblick in ein Land im Umbruch.

Ich weiß nicht, ob es Absicht ist (ich vermute aber schon), daß Ondjaki dabei sehr geschickt den Besuch seiner Tante Dada benutzt, um seine westlichen Leser an die Hand zu nehmen. Genau wie Dada wissen wir nämlich nicht, wie man sich in Angola zu der Zeit verhalten muß, auch wir staunen über die Verhältnisse in diesem Land, auch wir müssen vieles erklärt bekommen. Dabei finde ich es sehr positiv, daß zwar auch über die politischen Ereignisse berichtet wird, aber eben nicht nur. So vermischen sich private und politische Gedanken zu einer sehr poetischen und an einigen Stellen sogar sehr rührenden Mischung.

„Bom dia camaradas“ schließt mit einer kurzen Erklärung zur geschichtlichen Entwicklung Angolas und mit einem Glossar ab. Das ist auch gut so, denn gerade wenn dieses Buch von einem Kind oder Jugendlichen gelesen wird (und dafür ist es ja auch gedacht), werden sich sicher weiterführende Fragen zur politischen Situation in Angola ergeben. Eine gute Gelegenheit für Eltern und Kinder, gemeinsam ein wenig Recherchearbeit zu betreiben. Auch unter diesem Gesichtspunkt kann ich das Buch nur empfehlen!

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