Tortilla Flat

Tortilla Flat von John Steinbeck

Tortilla Flat von John Steinbeck

Der Krieg ist vorbei, und Danny kann endlich wieder nach Hause zurückkehren. Doch da erwartet ihn eine Überraschung: Er hat von seinem Großvater zwei Holzhäuser in Tortilla Flat, einer Paisanosiedlung in Kalifornien, geerbt. Ein Haus überläßt er seinen mittellosen Freunden, doch schon bald brennt es nieder. Alle ziehen nun zu Danny, der sogar noch weitere Obdachlose mitsamt ihren Hunden aufnimmt. Dort führen sie ein unbekümmertes, unkonventionelles Dasein, leben einfach in den Tag hinein und sorgen sich höchstens darum, wer die nächste Flasche Wein besorgt. Der Höhepunkt des Tages besteht im „Wunder des Essens“ und den vielen Gesprächen unter Freunden. So könnte es ewig weitergehen, doch eines Tages wird Danny ruhelos, verläßt die Freunde, um als Landstreicher umherzuziehen. Als er wiederkommt, ist er völlig verändert.

„Tortilla Flat“ (1935) beschreibt in episodenhaften Abschnitten das Leben und Träumen derer, die am Wirtschaftswunder der USA nach dem Ersten Weltkrieg nicht teilhaben, daran aber auch gar nicht teilhaben wollen. Steinbeck erzählt äußerst unterhaltsam von liebenswerten Außenseitern, die sich nicht über den Tag hinaus sorgen und gerade deswegen ganz und gar das tägliche Leben genießen.

„Tortilla Flat“ ist ein großartiges kleines Buch. John Steinbecks Helden sind die Besitz- und Heimatlosen, Strauchdiebe, Faulpelze und Säufer mit viel Bauernschläue und Witz. Sie haben das Herz auf dem rechten Fleck, auch wenn sie keine Heilige sind. Sie prügeln sich gerne und sind den Frauen nicht abgeneigt, aber ihre Freundschaft geht ihnen über alles.

Mit viel Humor und einer großen Sympathie für seine Protagonisten schreibt Steinbeck über Danny und seine Freunde, die durch Dannys Erbschaft eine Art Mittelpunkt in ihrem Leben gefunden haben. Das Haus, das sie bald alle gemeinsam bewohnen, ist ihnen Zufluchtsort. Aber es belastet sie auch, es belastet ihre Freundschaft.

Denn immer mehr spürt Danny die Last, die für ihn Besitz bedeutet. Deshalb verläßt er schließlich seine Freunde und flippt für eine kurze Weile völlig aus, beklaut alle, prügelt sich, verkauft sogar sein Haus (auch wenn die Freunde den neuen Hausbesitzer wieder um den Besitz bringen können). Insofern ist der Klappentext auch hier einmal mehr nicht sehr korrekt. Denn er lebt nicht als Landstreicher oder zumindest nicht mehr als er das bis vor seiner Erbschaft getan hat. Und auch nach seiner Rückkehr ist er nicht völlig verändert, sondern einfach deprimiert. Aber diese Bedrückung (durch seinen Besitz) findet sich auch schon vorher im Buch.

Es ist diese Leichtigkeit, gepaart mit einer gewissen Melancholie, die dieses Buch ausmacht. Dazu der Sprachwitz und die charmanten Episoden, die Dannys Freunde erleben … „Tortilla Flat“ ist eines der Bücher, die dunkle Stunden erhellen können. Sollte definitiv jeder gelesen haben. (Und wo wir schon dabei sind: alles andere von Steinbeck eigentlich auch.)

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