Der geschenkte Gaul

Der geschenkte Gaul von Hildegard Knef

Der geschenkte Gaul von Hildegard Knef

Das Leben hat Hildegard Knef oft genug aus dem Sattel geworfen. Trotzdem bleibt es für sie der „geschenkte Gaul“, der nicht immer bequem ist und der manchmal tritt und den man zum Markt führt, um ihn einzutauschen, und ihn schließlich doch behält, weil er ein Geschenk ist und weil man sich an ihn gewöhnt hat. Jetzt schreibt sie über sich und ihren „geschenkten Gaul“, und es wird ein hinreißendes Stück Erlebnisliteratur: engagiert, couragiert, mitten durch den heißen Brei geredet – die Geschichte einer Generation, die Geschichte „der Knef“.

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern und (Möchtegern-)Prominenten kann Hildegard Knef eines ganz sicher: Schreiben! So ist „Der geschenkte Gaul“ von der ersten Seite an spannend zu lesen und erst am Ende fällt einem auf, daß man da doch fast 500 Seiten verschlungen hat. (Wer trotz des oben verlinkten Wikipedia-Eintrag an dieser Stelle immer noch nicht weiß, wer Hildegard Knef ist, dem sei dieses Lied ans Herz gelegt. Besonders genial ist diese Version mit Extrabreit.)

Dabei schreibt die Knef ganz sicher nicht einfach. (Und ist es nicht interessant, wie wenige weibliche Stars man nur mit ihrem Nachnamen quasi wie mit ihrem Markenzeichen betitelt – die Dietrich, die Garbo, die Knef. Heutzutage gibt es das gar nicht mehr …) Oft sind ihre Sätze gar keine „echten“ Sätze im Sinne der deutschen Grammatik. Stattdessen beschreibt sie, was sie mit all ihren Sinnen wahrnimmt, reiht Empfindungen aneinander und verwendet oft ungewöhnliche Wörter und Bezeichnungen oder Dialekt.

Egal ob sie über ihre Erlebnisse in der Nazizeit und im Krieg schreibt, über ihre Erfahrungen in Hollywood oder über ihre Begegnungen mit der deutschen Presse, immer ist die Knef eine scharfzüngige Beobachterin, die selten ein gutes Haar an jemandem läßt (unter anderem auch nicht an sich selbst). Gerade diese Verletzlichkeit gepaart mit einer erstaunlichen Stärke und der Fähigkeit über sich selbst lachen zu können, ist es, die dieses Buch so authentisch (und die Knef so sympathisch) machen.

Ich habe noch eine Biographie über Hildegard Knef im Regal stehen, mal sehen, wieviel von diesem sympathischen Eindruck sich darin bestätigen läßt. Wird ganz sicher demnächst hier rezensiert. So … stay tuned!

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