Eine Liebe Swanns

Eine Liebe Swanns von Marcel Proust

Eine Liebe Swanns von Marcel Proust

Swann ist hoffnungslos verliebt. Seit er festgestellt hat, daß die schöne Odette einer Figur in einem Gemälde Botticellis gleicht, kann er seine Augen nicht mehr von ihr abwenden. Seine Aufmerksamkeit schmeichelt ihr zunächst, und sie führt ihn in den Salon der Verdurins ein. Doch nach und nach verliert sie das Interesse an Swann – der ihr nur um so bedingungsloser verfällt. Als er eines Tages mit ihrer Untreue konfrontiert wird und feststellen muß, daß Odette eigentlich eine Dame aus der Halbwelt von zweifelhaftem Ruf ist, scheint er aus einem bösen Traum zu erwachen und erkennt mit einem Mal, daß er Jahre seines Lebens mit der Liebe zu einer Frau verbracht hat, die es nicht wert war, so vergöttert zu werden.

„Eine Liebe Swanns“ (1913) ist eine psychologische Studie, die Proust Meisterschaft verrät, feinste Nuancen des Seelenlebens in Worte zu fassen und intimste Gefühlsregungen literarisch erfahrbar zu machen. Vor den Augen des Lesers entsteht ein Kaleidoskop der Emotionen zwischen erwachender Liebe, brennender Leidenschaft und verzehrender Eifersucht. Zugleich portrait Proust satirisch das großbürgerliche und adlige Gesellschaftsleben in einer untergangenen Welt: dem Fin de siècle.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Marcel Proust gelesen, aber natürlich schon viel von ihm gehört. Nachdem ich jetzt mit „Eine Liebe Swanns“ zumindest einen seiner Romane kennengelernt habe, muß ich sagen, Proust ist gar nicht so schwer zu lesen wie alle immer tun. Gut, er ist kein großer Freund von Absätzen und seine Sätze oder besser Satzkonstrukte sind sehr lang. Aber wenn man einmal „Die Akazie“ gelesen hat, dann ist Proust noch vergleichsweise harmlos. Seine Sätze sind zumindest grammatikalisch richtig und ordentlich durch Interprunktion gegliedert.

Ja, wenn man sich einmal an Prousts lange Sätze gewöhnt hat, dann kann man seine ungeheuer schöne Sprache zu schätzen. Gerade wenn er Swanns Gedanken zu Musik und deren Verhältnis zu seinem Leben beschreibt, ist er ganz wunderbar und sollte unbedingt laut gelesen werden. Seine Sprache wird dann geradezu selbst zu Musik.

Auch die Geschichte, die in „Eine Liebe Swanns“ erzählt wird, ist großartig. Der Klappentext faßt sie leider nur halb zusammen. Dieses Buch ist geradezu eine psychologische Studie von Swanns Verhältnis zu Odette, das er im Prinzip in seinen Gedanken selbst formt und bestimmt. Zunächst findet er, obwohl ein großer Schürzenjäger, Odette nämlich ganz und gar nicht hübsch. Ihre Aufmerksamkeit ist ihm fast schon lästig und oft vergnügt er sich mit anderen Liebschaften, bevor er sie im Salon der Familie Verdurin trifft. Erst als er feststellt, daß sie einer Figur von Botticelli gleicht, redet er sich quasi selbst ein, sie unendlich zu lieben. Eine Liebe, die im weiteren Verlauf des Romans unweigerlich scheitert. Diese Entwicklung Swanns, der sich sein Schicksal im Prinzip selbst schafft (oder einredet), ist wirklich faszinierend zu verfolgen.

Ein wenig ärgerlich an diesem Buch sind die Anmerkungen, die oft viel zu speziell sind. Für einen Proust-Kenner sind die Verweise auf andere Werke und auch Sekundärliteratur zu Proust sicher nicht uninteressant. Andererseits weiß ein echter Proust-Fan diese Dinge doch eigentlich sowieso. Dazwischen finden sich immer wieder eher lapidare Worterklärungen, durch die sich jeder halbwegs gebildete Mensch im Prinzip ziemlich veralbert vorkommen muß. Leider also ein kein sehr geglückter Anhang zu einem wirklich guten Buch.

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