Paradies und andere Geschichten

Paradies und andere Geschichten von Khushwant Singh

Paradies und andere Geschichten von Khushwant Singh

Warum glauben wir an Wunder? Garantiert ein Horoskop die perfekte Ehefrau? Ist das Kamasutra die richtige Gebrauchsanweisung für Frischverheiratete? Diese und andere Fragen stellt der bekannteste indische Schriftsteller in Paradies und andere Geschichten.

Die Amerikanerin Margaret Bloom kommt in einen Ashram ins indische Haridwar, um Erlösung für ihre Seele zu suchen, aber bald muß sie entdecken, daß auch am Ufer des Heiligen Ganges Versuchungen lauern. Madan Mohan Pandey, Amateurastrologe und Student alter Hindiskripte, findet zu seinem großen Entsetzen heraus, daß seine sittsame Braut ganz anders als erwartet ist.

Khushwant Singh zeigt sich im vorliegenden Erzählband in Höchstform: provokant und witzig, zuweilen deftig und dann wieder zärtlich.

„Paradies und andere Geschichten“ enthält einige wirklich faszinierende Kurzgeschichten, die einen interessanten Einblick in das indische Leben jenseits von Bollywood gibt:

Eine junge Amerikanerin findet für kurze Zeit ihr Paradies, nur um durch eigene Schuld wieder daraus vertrieben zu werden.

Ein junger Brahmane lernt, daß ein passendes Geburtshoroskop noch lange keine gute Ehe garantiert.

Zora Singh ist ein herrlich korrupter, raffinierter und lebensfroher Mann, dem einfach alles gelingt.

Gesucht: Ein Sohn und gefunden wird er auf recht unkonventionelle Weise (oder auch auf die einfachste und älteste Art der Welt).

Der Maulbeerbaum schließlich löst in einem älteren Inder die Midlife-Crisis aus.

Wenn man einmal über die erste (und deutlich schwächste) Geschichte hinausgekommen ist, kann man diesen Band fast nicht mehr weglegen. Khushwant Singh schafft es auf sehr liebe- und humorvolle Art, die Fehler und Schwächen seiner Mitmenschen aufzuzeigen. Er schreibt (wie er im Vorwort deutlich bekennt) gegen den Aberglauben, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger.

Stattdessen hält er dem modernen Indien den Spiegel vor, zeigt es nicht immer von seiner besten, aber oft von seiner sympathischen Seite. Man muß die Leute aus seinen Geschichten einfach mögen, egal ob es der immer verwirrtere junge Brahmane, der zupackende Ingenieur, die selbstbewußte Polizistin oder der unglücklich Verliebte ist.

Während die erste Geschichte sehr schwach und die nächsten drei sehr humorvoll sind, zeigt sich vor allem in der letzten Singhs großes Talent. Auf nur 50 Seiten zieht er das ganze Register seines Könnens: Philosophie, Sehnsucht, Torheit, eine große Portion Humor, Melancholie … diese Geschichte hat einfach alles! Ganz große Klasse!

Dieses sowieso schon gute Buch wird durch ein interessantes Glossar mit typisch indischen Begriffen und Redewendungen hervorragend ergänzt.

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