Paare, Passanten

Paare, Passanten von Botho Strauß

Paare, Passanten von Botho Strauß

Wahrscheinlich hat kein anderer Schriftsteller das deutsche Bewußtsein vor der Wende so genau erfaßt wie Botho Strauß in „Paare, Passanten“. In Beobachtungen, Erzählungen, Beschreibungen und Analysen legt er ein Mosaik der Gesellschaft zusammen, das ein anderes Bild ergibt als die täglich geschehenen, obwohl es von den gleichen Dingen handelt: von der Anstrengung der Gefühle und ihrem Verschwinden im Beziehungsmarkt; von der Gewalt der Belanglosigkeit; vom Zeitalter der Angst und seiner geglückten Verdrängung; von den Umgangsformen und der Sprache, die sie begleitet. So entsteht das Panorama einer sich selbst verlorengegangenen Gesellschaft.

Ich weiß nicht so ganz genau, was ich von „Paare, Passanten“ halten soll. Zum einen gefällt es mir wirklich wirklich gut, zum anderen würde ich es aber kaum einen Roman nennen.

Vielmehr hat Botho Strauß hier eine Sammlung von Beobachtungen und Szenen zusammengestellt, lose geordnet nach verschiedenen Themen (Paare, Verkehrsfluß, Schrieb, usw.). Diese Beobachtungen und Szenen an sich sind brillant, intelligent und ungeheuer schön geschrieben. Strauß‘ Sprache ist wunderbar klar und poetisch. Das Buch liest sich auch sehr angenehm, weil die einzelnen Abschnitte quasi ineinander abgeschlossen sind, man also mehrere Szenen hintereinander weg lesen und/oder jederzeit zwischendurch eine Pause einlegen kann.

Diese einzelnen Szenen aber sind nur durch ein ähnliches Thema mit den anderen verbunden. Und deshalb würde ich „Paare, Passanten“ kaum als zusammenhängenden Roman oder ähnliches bezeichnen wollen. Von daher ist es auch schwierig, dieses Buch einzuordnen. Ich habe es mit Interesse gelesen, aber ich kann mir vorstellen, daß es sicher nicht für alle interessant ist.

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