Garp und wie er die Welt sah

Garp und wie er die Welt sah von John Irving

Garp und wie er die Welt sah von John Irving

Die Welt des Schriftstellers Garp ist bevölkert von Lehrern und Huren, Spießern und Randexistenzen, Verlagslektoren und Mördern, Transsexuellen und Sittenstrolchen, Männern, Frauen und Kindern – grotesk, brutal, banal, perfide. Ein Pandämonium: unsere Welt.

Obwohl „Garp und wie er die Welt sah“ wohl eines der bekanntesten Bücher von John Irving ist (nicht zuletzt durch die Verfilmung mit Robin Williams und Glenn Close) und er damit seinen Durchbruch als Schriftsteller geschafft hat, ist es gleichzeitig das Buch, das mir von ihm bisher am wenigsten gefallen hat. Das mag daran liegen, daß ich seine Hauptfigur Garp nicht sonderlich interessant fand.

Tatsächlich haben mir vor allem die Passagen des Buches gefallen, in denen Garp eine nicht ganz so tragende Rolle spielt oder aber auch andere Personen vermehrt in den Vordergrund der Handlung treten. Die Geschichte um Garps Zeugung, die Episoden um sein Aufwachsen im Internat und seine Zeit in Wien lesen sich leicht und flüssig. Hier findet sich der Charme, den ich aus Irvings anderen Werken kenne und liebe.

Sobald Garp aber wieder in Amerika ist, verheiratet und Familienvater wird das ganze etwas träge. Ich weiß nicht, woran es liegt, immerhin passiert ja genug. Und es ist auch nicht so, daß ich mich beim Lesen quälen mußte. Aber irgendwie hat dieser Teil des Buches nicht dieses „ich muß weiterlesen, komme was wolle, egal ob der Zug an seiner Endstation angekommen ist, ich kann den Roman jetzt nicht aus der Hand legen“-Feeling, das ich sonst bei Irving eigentlich immer habe.

Erst gegen Ende des Werks (ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem Garp auf die Beerdigungsfeier seiner Mutter geht und Ellen James kennenlernt) kommt wieder der irving’sche Schwung in die Bude. Schade, daß es da auch schon fast wieder vorbei ist mit dem Roman.

Mein Fazit: Zwar nicht der beste Irving aller Zeiten, aber ganz sicher ein besseres Buch als die der meisten anderen Autoren.

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