Traumpfade

Traumpfade von Bruce Chatwin

Traumpfade von Bruce Chatwin

Sein Leben lang träumte der zivilisationsmüde Bruce Chatwin von den Nomaden, in Alice Springs begegnet er endlich einem von ihnen. Der Russe Arkady Wolsckok ist allerdings Akademiker, stammt aber von nomadischen Kosaken ab und findet deshalb nirgends Ruhe. Durch Java, Indien, Afghanistan, Israel und die Länder Europas ist er gereist, doch jetzt hat er beschlossen, dem industrialisierten Westen endgültig zu entsagen und lieber die Weisheit der austraalischen Ureinwohner zu ergründen, der Aborigines. Dafür gibt er alles andere auf, Frau, Haus, Heimat, denn den Uraustraliern droht höchste Gefahr. Auch wenn sie bisher einigermaßen unbehelligt leben, so können es die Abgesandten der Zivilisation kaum erwarten, sie von ihrem angestammten Land zu vertreiben, weil sie die Bodenschätze dort endlich ausbeuten wollen. Dabei drohen die „Songlines“ zerstört zu werden, die Traumpfade, auf denen schon ihre Vorfahren dahinzogen, um mit ihrem Gesang die Welt zu erschaffen. Immer wieder muß auf diesen labyrinthischen Pfaden gewandert, muß die Natur von neuem besungen werden, denn sonst, so lautet die Überlieferung, droht der Welt und ihrer Schönheit das Ende.

Bruce Chatwins „Traumpfade“ bilden eine einzigartige Enzyklopädie der Unstetigkeit. Sie fassen das ganze Glück, das ganze Unglück des Reisens.

„Traumpfade“ ist nicht so sehr ein Roman, als mehr eine Mischung aus Tagebuchaufzeichnungen und Notizen, die in eine erzählerische Form gegossen wurden. Bruce Chatwin erzählt schlicht aus seinem Leben, von seinen Erlebnissen, von seinen Reisen (und maaaan, ist der Typ gereist!).

Für jemanden wie mich, der sowieso den Traum hat, irgendwann alles hinzuschmeißen und einfach durch die Welt zu wandern, ist so ein Buch natürlich der absolute Hit. Ich habe es verschlungen! Chatwin beschäftigt sich in „Traumpfade“ mit vielen Themen, die mich auch interessieren, die ich teilweise sogar studiert habe: Prähistorie, Ethnologie, und immer wieder und vor allem mit dem Leben der Nomaden. Tatsächlich hielt er sich selbst für einen modernen Nomaden und machte sich stets Notizen zu diesem Thema, philosophierte darüber. Wunderbar ist dabei sein lakonischer Schreibstil und sein trockener britischer Humor, gepaart mit dem Talent, grandiose Beschreibungen von Landschaften und auch Menschen aufs Papier zu bringen. Und durch all seine Worte hindurch kann man immer seinen Respekt vor der Natur und den Menschen (so elend, unzivilisiert und primitiv sie auf den ersten Blick auch erscheinen mögen) spüren. Wirklich ganz großes Theater!

Es ist auch einfach super, daß ich durch die SZ-Bibliothek endlich dazu gekommen bin, „Traumpfade“ zu lesen, das schon lange auf meiner Leseliste stand. Wie bei einigen Autoren vorher, die ich durch die SZ-Bibliothek das erste Mal gelesen habe, werde ich auch Bruce Chatwin auf meine weitere Leseliste setzen. Ich möchte irgendwann all seine Bücher lesen. Da der gute Mann leider mit gerade einmal 48 Jahren in Folge einer HIV-Infektion gestorben ist, sind das natürlich nicht so viele Werke, wie ich mir das wünschen würde. Vielleicht (hoffentlich) nehmen sich einige, die das jetzt lesen, Chatwins Schicksal zu Herzen und sind in Zukunft ein bißchen vorsichtiger. AIDS ist eine wirklich elende Art zu sterben, also paßt bloß auf euch auf!

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