Die Weisen Frauen

Die Weisen Frauen von Sergius Golowin

Die Weisen Frauen von Sergius Golowin

Heute endlich erkennt man, welche Schätze in den uralten Überlieferungen und Sagen um die „Weisen Frauen“ verborgen sind! In der beginnenden Neuzeit auf grausamste Weise verfolgt, kirchlichen Tribunalen und der Verbrennung schutzlos ausgeliefert, waren die als Hexen beschimpften und verleumdeten Frauen in Wahrheit die Bewahrerinnen tief verwurzelter Stammestraditionen und der Naturheilkunde. Sie waren geprägt von einem ganzheitlichen Verständnis für die Zusammenhänge der Natur, wußten um den Einfluß der Gestirne auf das Leben und waren mit den Wirkungen der wundersamsten Kräutermischungen vertraut.

Ich bin ein wenig zwiegespalten, was „Die Weisen Frauen“ angeht. Der erste Teil des Buches will nämlich zu den beiden folgenden Teilen nicht so recht passen (und es stellt sich auch heraus, daß im ersten Teil Essays des Autors zusammengefaßt sind, die deutlich vor dem Buch entstanden). Qualitativ ist das ganze ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Im ersten Teil scheint es nämlich nur darum zu gehen, daß der Autor seine Erlebnisse mit fahrendem Volk, alten Kräuterkundlern und neuen Hippies erzählt und seine Lehren daraus darstellt. Die lassen sich (und zwar bei allen Kapiteln) grob damit zusammen fassen, daß nur der glücklich, fruchtbar, gesund und kinderreich sein kann, der auf die alten Traditionen hört, die von den Weisen Frauen vermittelt werden. Mit anderen Worten: Nur wer eine Weise Frau in seinen Reihen hat und zu einem der alten Stämme zählt, kann die Erde am Ende erben.

Hat man sich durch diese ewigen Wiederholungen einmal durchgequält wird es dann doch noch ganz interessant. Sergius Golowin versucht, das europäische Hexenwesen in Zusammenhang zu stellen mit älteren vorchristlichen Kulten und schlägt dabei den Bogen von Indien über den Kaukasus bis hin zum Alpenraum. Er weist ähnliche Rituale und ähnliche Götternamen nach und interpretiert alte Märchen und Sagen aufgrund dessen neu.

Dabei macht er keinen Hehl daraus, daß er diesen alten Traditionen, deren letzte Kulturträger für ihn das fahrende Volk ist, durchweg positiv gegenüber steht. Er setzt der materialistisch-kapitalistischen Weltanschauung der heutigen Zeit eine andere, spirituellere Art des Materialismus entgegen, und wünscht sich eine Hinwendung zu einem freudigen, lustvollen Umgang mit Mensch und Umwelt.

Für jemanden, der sich sowieso mit diesem etwas esoterischen Thema befaßt, ist dieses Buch also durchaus interessant. Aber auch unter ethnologischen Gesichtspunkten kann man es, gerade im Hinblick auf die im Anhang angegebenen Quellen, gut lesen.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: