Der Leopard

Der Leopard von Luchino Visconti

Der Leopard von Luchino Visconti

Luchino Viscontis filmisches Meisterwerk ist ein monumentales Epos von atemberaubender Schönheit, das die Zeit der italienischen Befreiungskämpfe wieder aufleben läßt. Burt Lancaster glänzt in der Rolle des Fürsten von Salina, der seine Macht und seine Kultur schwinden sieht, als der Untergang des herrschenden Adels nicht mehr aufzuhalten ist. Die kongeniale Adaption des Bestsellers wurde 1963 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet.

Filme wie „Der Leopard“ werden heutzutage nicht mehr gemacht! Diese ewig langen Einstellungen, die volle Ausnutzung von CinemaScope, die Ruhe der Kameraführung, die intelligenten Dialoge … so viel Zeit gibt man heutzutage einem Film einfach nicht mehr. Heute muß alles schnell sein, hektische Schnitte und stakkatoartige Musik bestimmen die Filmproduktionen. Umso mehr ist man von „Der Leopard“ fasziniert, wenn man sich einmal auf ihn einläßt.

Um dem Film wirklich folgen zu können, sollte man sich allerdings mit der nationalen Einigung Italiens im 19. Jahrhunderts auskennen oder zumindest das dem Film zugrundeliegende Buch von Giuseppe Tomasi di Lampedusa gelesen haben. Sonst könnte es etwas schwer werden, den politischen Entwicklungen und Verwicklungen zu folgen. Und man sollte auf alle Fälle die deutschen Untertitel einschalten. Als der Film in den USA herausgebracht wurde, hat man ihn nämlich auf eine Spiellänge von zwei Stunden gekürzt. Hier wird die Originalfassung gezeigt, die allerdings in den zusätzlichen Szenen nicht synchronisiert ist. Hier braucht man die Untertitel dringend, es sei denn, man spricht gut Italienisch. Zusätzlich zu der Freude, endlich den ganzen Film sehen zu können, ist es auch sehr sehr interessant, Burt Lancaster und Alain Delon Italienisch sprechen zu sehen/hören.

Die Geschichte selbst ist eine Elegie des Untergangs. Der Zusammenbruch des alten Gesellschaftssystems, der Aufstieg der Bürgerlichen, wird hier mit grandiosen Bildern gefeiert. Wir folgen dem Leopard, dem alten Fürsten von Salina, wie er mit Würde und Stolz den Wandel seiner Welt erlebt und sich mehr und mehr in seinem eigenen Land nicht mehr heimisch fühlt. Wenn er am Ende zu Fuß durch die heruntergekommenen Viertel der Stadt vom prunkvollen Ball nach Hause geht, weiß man, daß etwas Schönes und Großes unwiederbringlich verloren ist. Und selbst wenn man ein überzeugter Demokrat ist, macht einem das irgendwie traurig. Ein wirkliches Meisterwerk, das Luchino Visconti da geschaffen hat!

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