Das Herz ist ein einsamer Jäger

Das Herz ist ein einsamer Jäger von Carson McCullers

Das Herz ist ein einsamer Jäger von Carson McCullers

Der taubstumme John Singer muß erleben, wie sein Freund Spiros Antonapoulos, mit dem er sich jahrelang die Wohung geteilt hat, in eine Irrenanstalt gebracht wird. Singer zieht zur armen Familie eines Uhrmachers und wird nun selbst zum Mittelpunkt einer Gruppe von allerlei Außenseitern: Biff Bannon, dem eine Cafeteria gehört; Jake Blount, der Marxist ist, die kapitalistische Gesellschaft verachtet und am liebsten als Wanderprediger herumzöge; Mick Kelley, die von der Liebe träumt; und der schwarze Arzt Benedict Copeland, der ins Gefängnis kommt, weil er dagegen protestiert, wie sein Sohn behandelt wird. So unterschiedlich diese bunt zusammengewürfelte Außenseiterbande sein mag, sie setzt ihr ganzes Vertrauen und alle Hoffnung auf den behinderten John Singer, der allerdings selbst verzweifelt, als sein Freund Spiros stirbt.

Meine erste Begegnung mit Carson McCullers hatte ich in der Schule. In der 8. oder 9. Klasse mußten wir im Englischunterricht „The Ballad of the Sad Cafe“ lesen. Und ganz ehrlich, ich fand es furchtbar. Insofern bin ich etwas zögerlich an „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ herangegangen und habe mir schon das Schlimmste erwartet.

Jetzt, nachdem ich dieses wirklich fabelhafte Buch gelesen habe, denke ich, wir waren damals einfach zu jung, um McCullers‘ Werk verstehen oder würdigen zu können. Ihr Fokus liegt auf den Beziehungen zwischen den Menschen, auf Gefühlen und persönlichen Entwicklungen. Ihre Protagonisten sind Außenseiter, Behinderte, Verrückte, die unterste Unterschicht. In der drückenden Atmosphäre des heißen Südens der USA brodeln die Gefühle, ändert sich alles und doch wieder nichts. Es ist dabei nicht so sehr die Handlung, die dieses Buch so beeindruckend macht, sondern die fast schmerzhafte Eindringlichkeit, mit der McCullers die Gefühle ihrer Charaktere auslotet:

Er wartete auf die schwarze, fürchterliche Wut wie auf ein wildes Tier, das ihn aus dem Dunkel anspränge. Die Wut kam nicht. Er war inwendig schwer wie Blei; langsam ging er weiter, sich an Zäunen und naßkalten Mauern entlangtastend. Immer weiter, immer tiefer hinab, bis der tiefste Abgrund erreicht war. Dann stand er auf dem festen Boden der Verzweiflung, auf dem er zu Hause war.

Neben dieser sprachlichen Größe (und wenn man bedenkt, daß McCullers erst 23 war, als sie „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ geschrieben hat, dann ist das mehr als beachtlich) machen vor allem zwei Dinge dieses Buch so sympathisch. Zum einen sind seine Helden alles andere als makellos, im Gegenteil, ihre Fehler und Schwächen sind oft größer als ihre Stärken. Und zum anderen natürlich, daß die Autorin hier ganz unmißverständlich auch politisch Farbe bekennt, dadurch daß sie die Folgen von Rassentrennung und Armut ungeschminkt darstellt. Und das schon im Jahr 1940! Hut ab, Mrs. McCullers!

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