Indie Underground

Indie Underground von Adelheid Dahimène

Indie Underground von Adelheid Dahimène

„Liebe Fans, treue Stammhörer, verehrte Zaungäste, seit ich die Gitarre spielen kann, will ich freier Musiker werden, das hört ihr jetzt schon die ganze Zeit, und ich nehme an, es gefällt euch.“ Na klar doch. Vor allem, wenn der Musiker Indie Underground heißt, in einer Hardcore-Band mit Namen OSPEN 2000 spielt und von einem Plattenvertrag und dem internationalen Durchbruch träumt.

Um den perfekten Song dreht sich sein Leben. Danach kommt lange nichts und nur am Rand der Rest: Schule, Familie, die große Liebe und natürlich immer die Musik.

Adelheid Dahimènes „Indie Underground“ erinnert mich in vielen Dingen an Dorota Masłowskas „Die Reiherkönigin“. In beiden Büchern geht es um Musik, beide Bücher sind wie Musikstücke aufgebaut. Während aber „Die Reiherkönigin“ durchgehend gerappt und dadurch ziemlich schwer zu lesen ist, ist „Indie Underground“ wie eine Schallplatte aufgebaut (und auch viel einfacher zu lesen).

Auf A- und B-Seite der „Schallplatte“ erfahren wir in je sieben Songs (plus Intro und Exit) mehr über den Gitarristen Indie, der in der tiefsten österreichischen Provinz auf einem winzigen Dorf lebt und im Keller mit seiner Band probt. Wir hören ihn sein Leid klagen über die Schule, seine Mutter, seine beiden Geschwister, das öde Leben auf dem Land. Er berichtet über eine erste Erfahrung mit einem Mädchen, erste Auftritte in schäbigen Lokalitäten, schließlich die erste (recht unprofessionelle) Plattenaufnahme. Und zum großen Erstaunen des Lesers scheint die Band sogar Erfolg zu haben.

Der Text selbst ist ungeheuer originell gestaltet. Zum einen wird ständig Bezug genommen auf musikalische Vorbilder, auch werden musikalische Klangformen nachgeahmt. Zum anderen werden die einzelnen Kapitel/Songs (natürlich) durch gereimte Refrains unterbrochen. Wenn man vom Englisch der Refrains auf die übrigen Texte der Band schließen kann, dann ist der Erfolg der Band übrigens noch erstaunlicher. Besonders witzig finde ich aber, daß auch die eigentlich leeren Rillen zwischen den einzelnen Songs auf der Schallplatte im Buch auftauchen. In diesen 1-2 Seiten kurzen Unterbrechungen wird durch einen Er-Erzähler ein Blick von außen auf Indie und seine Umgebung geworfen.

Ich verstehe übrigens nicht ganz, warum dieses Buch als Jugendbuch eingestuft wird (es wurde zum Beispiel 1998 mit dem Österreichischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet). Sicher, sein Protagonist ist ein Jugendlicher und auch das Erwachsenwerden ist eines der Themen des Buches. Aber wegen der ziemlich experimentellen Textform würde ich es doch eher als Buch für Erwachsene (oder zumindest für erfahrene Leser) einordnen wollen.

Unterhaltsam und empfehlenswert (auch und gerade für Erwachsene) ist es allemal.

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