Der Magier

Der Magier von William Somerset Maugham

Der Magier von William Somerset Maugham

Paris 1900. Die Welthauptstadt Paris schwelgt im Fin de siècle. Lebemänner, Abenteurer, Kurtisanen, Spiritisten und Anarchisten treiben ihr dekadentes Wesen in der Stadt. Die seltsamste unter diesen bunten Gestalten ist Oliver Haddo, ein zwielichtiger Magier. Düster erscheint er und vermag doch alle Frauen zu faszinieren. In einem Restaurant begegnet er der schönen Margaret Dauncey und ihrem Verlobten, dem Arzt Arthur Burdin. Sogleich beginnt sich Margaret in den geheimnisvollen Fremden zu verlieben. Ihr Verlobter aber gibt nicht auf und versucht Margaret zurückzugewinnen. Er beginnt ein Kampf zwischen der Kunst und dem praktischen Leben, es geht um Treue und Verrat, also um Literatur.

W. Somerset Maugham bezeichnete gern den großen Verführer und Okkultisten Aleister Crowley als Vorbild für Oliver Haddo. Allerdings man in ihm auch Züge eines anderen Helden der vorletzten Jahrhundertwende erkennen: „Der Magier“ ist eine versteckte Huldigung an Oscar Wilde und dessen „Bildnis des Dorian Gray“. Wie der Dichter der „Salome“ feiert Maugham insgeheim die „Liebe, die sich nicht bekennen darf“ und für die Wilde ins Gefängnis gesperrt wurde.

Wieder ein Autor, den ich ohne die SZ-Bibliothek nicht kennengelernt hätte und dessen Werk mir ausgezeichnet gefällt. „Der Magier“ ist, so verrät uns der Untertitel, „ein parapsychologischer Roman“. William Somerset Maugham hat sich für dieses Buch ausführlich mit okkulten Themen beschäftigt und das merkt man auch. Er schafft es daher, ganz im Gegensatz zu vielen Schriftstellern heutzutage, im Sinne der alchemistischen Traditionen zu schreiben und viele alte Werke richtig zu zitieren.

Vor allem aber (und das macht für mich den Reiz des Buches aus), gelingt es dem Autor, eine Mischung aus britischem Gesellschaftsroman und lovecraftianischer Horrorgeschichte zu schaffen, die zudem noch reichlich spannend ist. Gerade die Passagen, in denen Margaret von Oliver Haddo „bezaubert“ wird und mit ihm Visionen und (Alp-)Träume erlebt, erinnern oft an Lovecrafts Werk:

Die Nacht war hereingebrochen, doch war es nicht die behagliche Nacht, die den rastlosen Geist der Menschen besänftigt; es war eine Nacht. die das Herz geheimnisvoll erregt, so daß jeder Nerv im Körper prickelt. Eine blasse Dunkelheit hob die Gegenstände ringsum heraus und entstellte sie zugleich. Am Himmel leuchtete kein Mond, doch schienen auf der Heide kleine Sterne zu tanzen, verschwommene Nachtfeuer, wie Geister der Verdammten. Sie standen in einer weiten, von Unruhe erfüllten Einöde mit hohen Steinblöcken und kahlen, zerfurchten und knorrigen Bäumen, die in der Folter leidenden Seelen glichen. Es sah aus, als sei ein verheerendes Gewitter herabgefahren und nach Regenfluten, stürmischen Winden und Blitzen ruhe das Land nun aus. Ringsum schien alles dumpfen Schmerz zu empfinden wie ein von Qualen heimgesuchter Mensch, der nicht einmal mehr zu bemerken vermag, daß seine Pein ein Ende hat. Margaret sah riesenhafte Vögel fliegen, die merkwürdige Dinge zu flüstern schienen. Oliver nahm sie bei der Hand. Er führte sie ruhig an einen Kreuzweg, aber sie wußte nicht, ob sie zwischen Felsen oder Gräbern hindurchgingen.

Erwartet man nicht, jeden Moment den großen Cthulhu zu sehen? Klasse das Buch! Wenn das restliche Werk von Somerset Maugham auch so gut ist, dann lohnt es sich definitiv noch mehr von ihm zu lesen. Ich werde das demnächst einmal testen …

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