Blutroter Mond

Blutroter Mond von Laurell K. Hamilton

Blutroter Mond von Laurell K. Hamilton

Über kaum einen Klappentext habe ich mich so geärgert wie über den von „Blutroter Mond“. Er ist nämlich nicht nur zum großen Teil falsch, sondern verrät auch noch einige Wendungen der Geschichte:

Eine Million Dollar ist eine Menge Geld. Harold Gaynor bietet Anita Blake diese Summe für einen neuen „Job“. Doch dieser „Job“ hat es in sich: Anita soll einen 300 Jahre alten Zombie zum Leben wiedererwecken. Sie lehnt ab, denn sie weiß, dass dafür ein Menschenopfer nötig wäre. Doch als die Stadt kurz darauf von einer Mordwelle heimgesucht wird, ahnt Anita, dass Harold jemand anderes für den Millionenjob gefunden hat, jemand, der weniger Skrupel hat – und dass der Killer, der umgeht, ein Zombie ist. Nun muss sie all ihre Kraft und Fähigkeiten aufbringen, um den Killer und die Voodoo-Priesterin, die ihn kontrolliert, auszuschalten …

Es ist nämlich ganz und gar nicht von Anfang an klar, daß der Killerzombie etwas mit der Voodoo-Priesterin oder gar mit Harold Gaynor zu tun hat. Ganz im Gegenteil! Der Zombie treibt sein Unwesen schon, bevor Anita Blake das erste Mal mit Gaynor zu tun bekommt.

Ich war übrigens erstaunt, wie gut das Buch mir gefallen hat. Der Klappentext, der Vergleich mit Buffy, ich war davon ausgegangen, daß „Blutroter Mond“ doch sehr in Richtung Heftchenroman tendiert. Bekommen habe ich einen soliden Krimi, der in einer interessanten Welt spielt (immerhin sind im Setting von Anita Blake Vampire, Zombies, Werwesen usw. nicht nur existent, sondern auch noch gesetzlich legal und anerkannt). Und es hat auch ganz und gar nicht gestört, daß „Blutroter Mond“ der zweite Teil in der Anita Blake-Reihe von Laurell K. Hamilton ist, man findet sich schnell in der Geschichte zurecht.

Mit ein Grund dafür ist die Ich-Perspektive, aus der erzählt wird. Anita Blake kommentiert ihre Welt mit oft zynischem Tonfall. Dabei wird geschickt eine Menge an Hintergrundinformation in die Geschichte hineingeflochten. Es ist auch dieser zynische Tonfall, der für mich viel von der Atmosphäre des Buches ausmacht. Bei so viel Selbstironie, wie die Heldin in ihren Kommentaren an den Tag legt, sieht man ihr schon eher einmal nach, daß sie im Grunde eine Mary Sue ist.

Wo ich extrem zwiegespalten bin, ist Hamiltons Sprache. Extrem schwülstige Passagen, die ich absolut unerträglich finde, wechseln sich ab mit trockenem Zynismus. Und zwar innerhalb weniger Zeilen!

So liest man auf einer Seite:

Der Nachthimmel war eine Schale voll von flüssigem Schwarz. Sterne wie nadelstichgroße Diamanten gaben ein kaltes, hartes Licht. Der Mond war ein leuchtendes Stück Patchwork aus verschiedenen Grautönen und kaltem Gold. In der Stadt vergißt man, wie dunkel die Nacht ist und wie hell der Mond, wie zahllos die Sterne.

Und schon auf der nächsten:

Hoffentlich hatte sie keinen nervösen Zeigefinger. Ich wollte nicht von einem Killerzombie gefressen werden, aber mit Napalm übergossen werden wollte ich auch nicht. Lebendig verbrannt oder lebendig gefressen? Gab’s noch etwas anderes im Angebot?

Wie paßt das zusammen? Beziehungsweise: Hätte sie die Stellen mit dem Schwulst nicht weglassen können? Und natürlich: Himmel, wer hat diese Übersetzung so vermurkst? Sterne die Licht geben? Das sein nix Deutsch! Angela Koonen, das üben wir noch mal! Daß das den beiden(!) Lektoren nicht aufgefallen ist! Leider nicht der einzige Übersetzungsfehler …

Alles in allem also keine hohe Literatur, aber definitiv gute Unterhaltung.

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