Gefrorene Pfirsiche

Gefrorene Pfirsiche von Espido Freire

Gefrorene Pfirsiche von Espido Freire

Steckt ein altes Familiengeheimnis hinter den anonymen Drohungen, die der Malerin Elsa ins Haus flattern? Die junge Frau flieht zum Großvater – und stößt an allen Ecken und Enden auf Hinweise auf ihre gleichnamige, als junges Mädchen spurlos verschwundene Tante. Ein verwobenes Rätsel um Identität und Vergangenheit entspinnt sich, in dessen Zentrum ein Rezept für gefrorene Pfirsiche zu stehen scheint, das der Großvater vor langer Zeit mit nach Hause gebracht hat. Was ist damals nur geschehen?

Wie um alles in der Welt kann man zu einem solch großartigen Buch wie „Gefrorene Pfirsiche“ einen so bescheuerten Klappentext schreiben? Hat man da im Verlag das Buch nicht verstanden und versucht es deshalb als eine Art Thriller oder Krimi zu vermarkten, weil irgendwie ja schon Leute darin gewaltsam zu Tode kommen?

Denn in „Gefrorene Pfirsiche“ geht es nicht um ein Familiengeheimnis und es geht schon gar nicht um das Rezept zu gleichnamiger Nachspeise. Die Süßspeise, die von der früheren Geliebten des Großvaters so gerne gegessen wurden, ist vielmehr ein Sinnbild für die Vergänglichkeit der Dinge. Denn anders als im Klappentext behauptet, hat der Großvater das Rezept eben nicht mit nach Hause gebracht, das Geheimnis der Herstellung ging verloren.

Worum es in „Gefrorene Pfirsiche“ tatsächlich geht, ist der Tod. Oder vielmehr um die drei Frauen der Familie, die alle den Namen Elsa tragen und alle mit dem Tod in Berührung kommen: Elsita, die verlorene Tochter der Großeltern, die als kleines Mädchen in den Bergen verschwunden ist. Die „kleine“ Elsa, Tochter des jüngeren Sohnes, die sich mit einer gefährlichen Sekte einläßt und nach ihrem Ausstieg einen Prozeß anstrengt. Die „große“ Elsa, die Malerin, Tochter des älteren Sohnes, die wegen ihres gleichen Namens (beide Mädchen wurden nach der verschwundenen Elsita benannt) mit ihrer Cousine verwechselt und von der Sekte bedroht wird.

Espido Freire erzählt dabei in Rückblenden und aus verschiedensten Blickwinkeln die Geschichte der Familie über drei Generationen hinweg. Fasziniert verfolgt man den Werdegang des Großvaters, das Unglück der „kleinen“ Elsa und die Auswirkungen, die das alles auf die „große“ Elsa hat. Dabei forscht niemand irgendetwas nach, im Gegenteil, das Vergessen (das die Autorin mit dem Tod gleichsetzt) ist eine Kunst, die alle in der Familie bestens beherrschen, genau wie das Verschweigen. Für den Leser allerdings werden nach und nach alle Geheimnisse aufgeklärt, weshalb man dieses Buch fast nicht aus der Hand legen kann!

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