Mein Name sei Gantenbein

Mein Name sei Gantenbein von Max Frisch

Mein Name sei Gantenbein von Max Frisch

Ein Mann sitzt in seiner Wohnung allein. Die Teppiche sind gerollt, die Fensterläden geschlossen, die Möbel mit weißen Tüchern bedeckt. „Von den Personen, die hier einst gelebt haben, steht fest: eine männlich, eine weiblich.“ Um dem Ich dieses Mannes, der Gantenbein heißen soll, auf die Spur zu kommen, entwirft der Erzähler Varianten dessen – und gleichzeitig seines eigenen – Lebens. „Mein Name sei Gantenbein!“, beschließt er und erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich eines Tages eine Blindenbrille und ein schwarzes Stöckchen zulegt, um seine Umwelt glauben zu lassen, er sei blind. Gantenbein ist keine Gestalt der Wirklichkeit – ebensowenig wie Don Quichotte – sondern eine Rolle, die der Ich-Erzähler sich entwirft. Gantenbein als blinder Fremdenführer, Gantenbein als blinder Zeuge vor Gericht, vor allem aber Gantenbein als blinder Gatte, der mit Lila, indem sie ihn für blind hält, eine glückliche Ehe führt – bis er eines Tages aus seiner Rolle fällt.

Frischs Roman ist eine eindrucksvolle literarische Maskerade, ein faszinierendes Spiel mit Identitäten und nicht zuletzt ein beredtes Staunen über die Abgründe der Liebe.

Ich schätze die Bücher von Max Frisch sehr. Seit wir in der Schule im Deutschunterricht seinen „Stiller“ lesen mußten/konnten/sollten/durften, gefällt mir seine Art mit Realität umzugehen.

So ist auch „Mein Name sei Gantenbein“ ein wunderbar kluges Buch, das herrlich über die Bedeutung von Identität reflektiert. Anders als uns der Klappentext glauben machen will, ist die Geschichte, die Frisch erzählt, nämlich keineswegs so gradlinig. Stattdessen mäandert sie eher von Ereignis zu Ereignis, macht Umwege und schlägt immer wieder Bögen.

Der Ich-Erzähler spielt Situationen durch, versetzt sich in verschiedene Personen, Gantenbein, Enderlin, Philemon, und nicht nur das, auch seine Partnerin stellt er sich in verschiedenen Rollen vor, Lila als Schauspielerin, Lila als drogenabhängige Contessa, Baucis. Was dabei vor allem beleuchtet wird ist das Verhältnis zwischen Mann und Frau (und zwar auf teilweise recht zynische Art und Weise).

„Mein Name sei Gantenbein“ ist sicher nicht einfach zu lesen. Und wahrscheinlich sollte man eine gewisse Vorliebe für experimentelle Texte haben. Wenn man sich aber auf das Buch einläßt, ist es ein faszinierendes Erlebnis. Mir hat es auf alle Fälle großen Spaß gemacht.

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